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29.08.2008 
Dresdner und Commerzbank

Es muss nicht immer die große Liebe sein

von Hans G. Nagl

Eine Traumhochzeit ist es sicherlich nicht – die kurz vor der Verkündung stehende Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank. Doch Vernunftehen halten ohnehin häufig besser. Zumal wenn beide Akteure so getrieben sind wie Allianz-Chef Michael Diekmann und sein Commerzbank-Gegenüber Martin Blessing.

Da ist zum einen Diekmann, der sich nach sieben Jahren der Qual endlich von der für 24 Mrd. Euro erworbenen Dresdner Bank trennen kann. Gekauft hat sie sein Vorgänger, den Ärger hatte er. Dennoch muss er sich auch an die eigene Nase fassen: Die Allianz hatte nie ein Konzept, was die Bank im Versicherungskonzern eigentlich leisten sollte. Entsprechend richtungslos trieb die Dresdner sieben Jahre lang vor sich hin. Jetzt die Reißleine zu ziehen, dürfte nochmals Lasten mit sich bringen – Stichworte Risikoschirm und Buchwertabschreibungen. Aber der harte Schnitt sorgt dafür, dass sich die Allianz endlich wieder auf ihr Handwerk konzentrieren kann: das Versicherungsgeschäft. Nebenbei rettet Diekmann seine Erfolgsbilanz und womöglich seinen Kopf.

Die Commerzbank indes verschafft sich Masse und macht einen bedeutenden Schritt in Richtung eines ernstzunehmenden Spielers im deutschen Bankenmarkt. Blessing war seit langem klar, dass es andernfalls um die Unabhängigkeit von Deutschlands Nummer zwei auf Dauer schlecht bestellt gewesen wäre. Um diese zu sichern, dürfte er einige Kröten geschluckt haben: die Abgabe der Vermögensverwaltung, eine vorerst schwache Kapitalisierung und wahrscheinlich auch einige Unbekannte in den Portfolien der Dresdner Bank. Dennoch: Wenn die Fusion klappt, hat die Commerzbank die notwendige kritische Masse erreicht. Und dazu mit der Allianz, die an der neuen Bank beteiligt sein wird, einen stabilen Großaktionär im Rücken.

So groß und wichtig beide Schritte für die beteiligten Häuser sind – für den heimischen Bankenmarkt ändert sich wenig. Denn weiter liegen rund 70 Prozent des Privat- und Firmenkundengeschäfts in den Händen von Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Bestenfalls dürften diese künftig einen stärkeren Konkurrenten als Gegenüber haben. Vorausgesetzt, Blessing bringt die Fusion zügig und ohne größeres Stottern über die Bühne. Allenfalls die Deutsche Bank könnte sich unter Druck gesetzt fühlen, nun bei der Postbank zuzugreifen. Doch selbst hier lässt sich ein großes Fragezeichen machen: Der Branchenprimus hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass das heimische Privatkundengeschäft nur eines von vielen seiner Spielfelder ist.

Zu guter letzt sei noch auf einen Spruch hingewiesen, der immer wieder von einem der beteiligten Häuser angeführt wurde: „It ain’t over til the fat lady sings.“ Heißt im Klartext: Es ist gerade einmal acht Jahre her, dass die Fusion Deutsche Bank und Dresdner platzte. Die war übrigens sogar schon verkündet.

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