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06.01.2009 
Ölkonzerne

Falsche Prioritäten

von Sönke Iwersen

Das Jahr 2008 war nicht nur das Jahr, in dem der Ölpreis seinen historischen Höchststand markierte und die Ölkonzerne einmalige Rekordgewinne einstrichen. 2008 war auch das Jahr, in dem dieselben Konzerne viel Geld investierten, um sich als ökologisch aufgeschlossene Unternehmen der Zukunft zu verkaufen. Dass BP und Shell für sich reklamieren, Vorreiter in Sachen Windenergie, Solartechnik und Ähnlichem zu sein, ist nichts Neues. Doch 2008 warben plötzlich auch erzkonservative Multis wie Exxon-Mobil und Chevron mit Ökokampagnen. Ein gutes Zeichen?

Im Gegenteil. Hoffnung auf einen Wandel der Ölkonzerne kann nur haben, wer sich von den Worten täuschen lässt und vergisst, auf die Taten zu schauen. Die geben Anlass zur Wut. Obwohl den Ölkonzernen mehr Geld zur Verfügung steht als je zuvor und obwohl sie betonen, wie wichtig sie ihre Rolle als Kämpfer gegen den Klimawandel nehmen, spotten ihre Anstrengungen jeder Beschreibung. Shell investierte zwischen 2003 und 2007 eine Milliarde Dollar in erneuerbare Energie - einen Bruchteil dessen, was man als überschüssiges Kapital an die eigenen Aktionäre zahlte. Exxon freilich setzte noch eins drauf und verkaufte sein Zehn-Millionen-Dollar-Budget für Ökoforschung als Zukunftsinvestition. Zehn Millionen Dollar - das sind 0,03 Prozent dessen, was Exxon an seine Aktionäre zahlt.

Es bleibt dabei: Die Pflege des eigenen Aktienkurses ist den Ölmanagern ungleich wichtiger als der Klimawandel. Und anders als mit ihren Ökoaktivitäten sind sie hier auch ungleich erfolgreicher. So stiegen allein die Bezüge der Exxon-Vorstände in den vergangenen Jahren um 170 Prozent. Für sie ist das Problem offenbar gelöst: Für eine leistungsstarke Klimaanlage reicht das Geld allemal.

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