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30.07.2008  | Aktualisiert 30.07.2008, 18:19 Uhr 
Siemens

Gute Struktur

von Axel Höpner

Siemens war zuletzt immer wieder für eine schlechte Nachricht gut. Ob Schmiergeldskandal, Stellenabbau oder die kostspielige Trennung von der Telefonsparte SEN: Peter Löscher hat auch im zweiten Jahr als Chef wahrlich an vielen Fronten zu kämpfen. Das operative Geschäft geriet da in der Wahrnehmung in den Hintergrund.

Zu Unrecht. Mit starken Quartalszahlen zeigt Siemens jetzt, welches Potenzial trotz aller Affären im Konzern steckt. Er wird sich dem Konjunkturabschwung zwar nicht völlig entziehen können. Doch mit seinen Geschäftsfeldern hat er gute Chancen, glimpflicher davonzukommen als andere.

Der Energiebedarf zum Beispiel wird weiter steigen, trotz der Konjunkturabkühlung. Siemens ist glänzend darauf vorbereitet, auch durch Zukäufe. Im letzten Quartal zum Beispiel erhielt Siemens erstmals mehr Aufträge im Bereich der erneuerbaren Energien als im fossilen Sektor.

Löscher hat dafür gesorgt, dass sich die neue Fokussierung auch in der Konzernstruktur widerspiegelt. Dabei aber konnte er auf die Arbeit seiner Vorgänger bauen. Der heute viel geschmähte Heinrich von Pierer hatte einst entgegen dem Rat von Analysten an Geschäften wie Medizintechnik und Energieerzeugung festgehalten. Sein Nachfolger Klaus Kleinfeld, der jetzt ebenfalls in schlechtem Licht steht, rief die Megatrends aus und baute entsprechende Geschäfte aus.

Die wahre Meisterprüfung hat Löscher aber noch vor sich. Denn die Erfahrung lehrt, dass der Konzern immer wieder auch im operativen Geschäft schlechte Nachrichten produziert. Mal wurden viel zu viele Großaufträge hereingenommen, mal wird eine völlig fehlkonstruierte Straßenbahn in die Welt geschickt. Das war jedes Mal sehr teuer. Nach der Konzernstruktur muss Löscher noch die Abläufe optimieren.

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