Wer hätte das gedacht. Von allen Video- und Computerspielern, die im Internet spielen, sind mittlerweile fast 48 Prozent älter als 30 Jahre. Immerhin noch 20,5 Prozent sind 50 und älter. Die Generation Gameboy kommt in die Jahre. Heute sitzen Manager in Führungsetagen, die schon mit einer Spielekonsole groß geworden sind wie ihre Vorgänger mit der Modelleisenbahn. Ganz normal.
Es sieht damit so aus, als ob die Geschichte der Videospieleindustrie in weiten Teilen neu geschrieben werden muss. Eine ganze Industrie muss das Altern lernen. Denn der pickelige Jüngling, der versessen im Jugendzimmer stundenlang Monster durch dunkle Gänge jagt, ist nur noch ein Teil des Gesamtbilds. Wer sich nur noch mit der Jugend beschäftigt, wird bald alt aussehen.
Die Verschwörer des Online-Methusalem-Komplotts haben anderes im Sinn als Monsterschlachten. Das "casual gaming", das einfache Spiel, ist auf dem Vormarsch. Das Internet hat alles verändert. Denn es sind gesellige Spiele, die auf dem Vormarsch sind im globalen Dorf: Skat oder Scrabble, Schiffeversenken. Fast 59 Prozent aller über 50-jährigen Gamer lösen im Web Rätsel und Knobelspiele. Bislang hieß es, Teenager muss man mit Gaming-Werbung ködern, die Omi mit dem Werbespot im Volksmusikprogramm. Doch das ist bald Vergangenheit. Die Oma löst Rätsel, der Opa spielt Skat im Web.
Die größten Gewinner werden soziale Netzwerke aller Art im Internet sein. Das kann Facebook sein, aber auch jeder andere, der es schafft, den natürlichen Spieltrieb und die Kontaktfreude, die in jedem Menschen stecken, auszunutzen. Ach ja: Der Bundesverband der Videospieleentwickler ist übrigens jetzt nach ewigen Diskussionen und verbitterter Abwehr der Altvorderen in den Deutschen Kulturrat aufgenommen worden. Das wurde auch Zeit.


