13 Bewertungen ****
04.01.2009 
Solarindustrie

Kaufkurse

von Wolfgang Gillmann

Eine Gewinnwarnung von Q-Cells, CSG Solar stellt die Produktion ein, Conergy steht am Abgrund - die schlechten Nachrichten aus der Solarbranche mehren sich. Der Boom der vergangenen Jahre mit extremen Wachstumsraten und traumhaften Renditen und Börsenkursen ist vorbei. Der Markt für die Erzeugung von Strom aus Sonnenenergie wandelt sich von einem Verkäufer- zu einem Käufermarkt.

Für die Unternehmen bahnen sich schlechte Zeiten an. Und am Ende dürfte sich ein erheblicher Teil der Branche in der Hand von Großkonzernen befinden.

In Deutschland, dem bisher weltweit größten Markt für Photovoltaik, ist zum Jahresanfang die Förderung um durchschnittlich neun Prozent gesenkt worden. Die Käufer der Solaranlagen werden eine Preissenkung in diesem Umfang verlangen. Spanien fällt als großer Solarmarkt künftig weitgehend aus, da die Regierung den Bau neuer Anlagen auf ein sehr niedriges Niveau begrenzt hat. Noch 2008 entwickelten sich die Sonnenregionen Südspaniens zu einem Paradies für Solarinvestoren, da praktisch unbegrenzt viele Solarparks bei besten Sonnenbedingungen gefördert wurden, was den Anlegern noch höhere Renditen versprach als in Deutschland.

Gleichzeitig geht die Zeit zu Ende, in der der Rohstoff Silizium knapp und teuer war. Dieses für die Herstellung von Solarzellen notwendige Vorprodukt stand bisher nur in viel zu geringen Mengen zur Verfügung. Die Folge waren lange Lieferzeiten bei extrem hohen Preisen und Renditen für die Hersteller des begehrten Rohstoffs wie Wacker Chemie. Der Mangel hat Investoren auf den Plan gerufen. Weltweit, vor allem in Asien, werden in diesem Jahr neue Fabriken für Silizium an den Markt gehen. Dies wird die Preise und damit die Renditen fallen lassen. Einige Analysten erwarten bereits ein hohes Überangebot an Silizium.

Zusätzlich hat die Finanzkrise manche Projekte infrage gestellt, da die Finanzierung nicht mehr gesichert ist. Darunter leiden vor allem große Solarparks, wie sie Investoren in die karge Landschaft Südspaniens gepflanzt haben. Die in Deutschland vorherrschenden Solaranlagen auf Hausdächern sind von der Finanzkrise weniger betroffen.

Die Unternehmen der Solarindustrie, von denen viele ihren Sitz in Deutschland haben, müssen sich auf schwächere Renditen einstellen. Nicht jeder Anbieter wird die geringeren Preise durch Rationalisierungen ausgleichen können. Bisher gab es die höchsten Renditen am Beginn der Wertschöpfungskette, also bei den Herstellern von Silizium und Solarzellen. Auch hier werden sich die gesunkenen Marktpreise bemerkbar machen. Das Beispiel Q-Cells hat gezeigt, dass selbst langfristige Absatzverträge keinen Bestand haben, wenn Großkunden die Verschiebung oder gar Stornierung der Lieferung einfordern.

Nur wer die Fertigung gut organisiert hat, wird die Preissenkungen ausgleichen können. Deshalb werden den Großen der Branche wie Q-Cells oder Solarworld die besten Chancen eingeräumt, den beginnenden Ausleseprozess ohne größere Blessuren zu über-stehen. Denn in der Fertigung der noch jungen Branche hat für viele Hersteller das Zeitalter der Automatisierung erst begonnen. Bisher glichen manche Produktionen eher Werkstätten als modernen Industrieanlagen. Wer über die nötigen großen Absatzmengen und die Investitionsmittel verfügt, kann durch Automatisierung leicht die Preissenkungen ausgleichen und die Marge stabil halten. Für die anderen werden die Zeiten härter. Die Spreu wird sich vom Weizen trennen.

Ohnehin leidet die gesamte Branche stärker als andere unter dem Verfall der Börsenkurse. Die Notierungen vieler Solaraktien haben sich im vergangenen Jahr mehr als halbiert. Da die Unternehmen überwiegend keine Dividenden zahlen, um das bisher starke Wachstum zu finanzieren, werden die Aktienkurse immer wichtiger. Schlechte Gewinnaussichten könnten manche Anleger zum Aussteigen veranlassen.

Bisher haben die glänzenden Renditen Investoren bei Laune gehalten, Verkäufe von Aktienpaketen oder Übernahmen waren die Ausnahme. Aber das könnte sich ändern. Der Einstieg von Bosch bei Ersol zeigt, dass die traditionelle Industrie beginnt, sich für die Solarindustrie zu interessieren. Mit den jetzt erreichten sehr niedrigen Kursen bietet sich für interessierte Unternehmen eine günstige Chance zum Einstieg. Großkonzernen wie General Electric oder Siemens wird seit längerem nachgesagt, dass sie einen Einstieg in die Solarindustrie erwägen. In der Windindustrie haben die etablierten Großkonzerne ebenfalls erst abgewartet, wie sich die Technologie und der Markt entwickeln. Dann haben sie entschlossen zugekauft, und sie zählen heute zu den größten Anbietern von Windturbinen weltweit.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Forum Diskussionen zu diesem Beitrag im Forum
  Alle anzeigen
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

Blogkommentare zu diesem Artikel