Mit der Erhöhung des VW
-Anteils auf 35,14 Prozent hat Porsche
-Chef Wendelin Wiedeking den Stuttgartern die Kontrolle am Wolfsburger Autokonzern gesichert. Der Schritt war zwar seit Wochen erwartet worden, entfaltet aber angesichts des tobenden Machtkampfs um Volkswagen
eine starke symbolische Wirkung: Europas größter Autobauer ist jetzt formal eine Tochter des Sportwagenbauers Porsche
. Arbeitnehmervertreter von VW
rücken im Gegenzug in Betriebs- und Aufsichtsrat der neuen Porsche Holding ein.
Die faktischen Konsequenzen sind allerdings gering. Und sie bleiben es, selbst wenn Wiedeking mehr als 50 Prozent an VW
übernimmt, wenn die Prüfung der internationalen Kartellbehörden abgeschlossen ist. Solange Niedersachsen über eine Sperrminorität verfügt, kann das Land jede Entscheidung blockieren. Wirtschaftlich für Porsche
interessante Verschmelzungen oder Abspaltungen von VW
-Töchtern wären nur mit einem Beherrschungsvertrag möglich. Davor steht jedoch Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), der Wiedekings Kontrahent und VW
-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch demonstrativ den Rücken stärkt.
Je eher der Porsche
-Clan erkennt, dass er auf dem Papier zwar Volkswagen
dominiert, die neue Tochter aber ohne ein Arrangement mit der Allianz aus Politik, IG Metall, VW
-Management, Betriebsrat und Piëch nur wenig wert ist, desto schneller kann das neue Autoreich seine volle PS-Stärke auf die Straße bringen. Ein Patt über Jahre ist weder im Interesse der Unternehmen noch von Belegschaften oder Aktionären. Kühl kalkuliert: Wer das meiste aus dem neuen Konstrukt herausholen will, sollte den Konflikt im eigenen Lager lieber heute als morgen beenden.


