Die Konsolidierung des spanischen Strommarkts kommt in Gang - aber anders als gedacht. Viele Monate lang wurde hinter verschlossenen Türen verhandelt. Immer war eines klar: Eine der Hauptrollen in einer Konsolidierung würde Florentino Pérez spielen, Chef des größten spanischen Bau- und Infrastrukturkonzerns ACS, der Union Fenosa
kontrolliert und mit einem 7,7-Prozent-Anteil auch der größte Aktionär des Stromriesen Iberdrola
ist. So kommt es nun auch, aber anders, als Pérez selbst wohl gehofft hat.
Zuletzt hatte der ACS-Chef gesagt, er wolle Iberdrola
in Kooperation mit einem großen internationalen Energiekonzern übernehmen und mit Union Fenosa
verschmelzen. Doch nun tritt er plötzlich als Verkäufer auf.
ACS will seine 45 Prozent an Union Fenosa
verkaufen. Wahrscheinlich an das katalanische Unternehmen Gas Natural
. Zwar zeigt sich auch die französische EDF
interessiert, aber die spanische Regierung zieht ja bekanntlich nationale Lösungen vor.
Der plötzliche Verkaufswunsch ist besorgniserregend. Er lässt vermuten, dass ACS, die auch mit 25 Prozent an der deutschen Hochtief
beteiligt ist, in Finanzschwierigkeiten steckt. Zwar erklärte ACS, man wolle fortan die Aktivitäten auf Iberdrola
konzentrieren. Doch dort wird der Baukonzern aufgrund einer Stimmrechtsbegrenzung niemals nennenswerten Einfluss erlangen.
Das Hauptmotiv liegt nach Meinung der Experten darin, dass ACS Geld braucht. Nach Schätzungen von JPMorgan muss das Unternehmen dieses Jahr Kredite in Höhe von drei Milliarden Euro refinanzieren, insgesamt schultert es 18 Milliarden an Schulden. Die platzende Immobilienblase in Spanien und der enger werdende Kreditmarkt haben die Baufirma mehr unter Druck gesetzt als bisher vermutet.


