Es ist eine alte Unternehmerweisheit, dass man ein Lamm nur in den seltensten Fällen zu einem Löwen machen kann", sagt Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski. Mit ungeahnter Härte hatte der Handwerkersohn die Lämmer im Stall von Bertelsmann geschlachtet. Der Bielefelder trennte sich ruck, zuck vom amerikanischen Buchklubgeschäft. Beim kriselnden Buchkonzern Random House tauschte er die Chefs aus. Kurz danach zog sich Ostrowski aus dem desolaten Musikgeschäft zurück. Nicht einmal der bescheidene Preis von 778 Millionen Euro in Cash für den 50-prozentigen Anteil am Musikkonzern Sony BMG konnte ihn schrecken.
Nun geht der kompromisslose Westfale auf die Jagd nach Löwen. Ostrowski braucht dringend neue, löwenstarke Wachstumstreiber. Schließlich hat er der Eigentümerfamilie Mohn viel, sehr viel versprochen. Bis 2015 will er die Erlöse auf über 30 Milliarden Euro hochtreiben. Im vergangenen Jahr waren es nicht einmal 19 Milliarden. Den operativen Gewinn (Ebit) will er bis dahin von zuletzt 1,8 Milliarden auf über drei Milliarden Euro nahezu verdoppeln.
Ostrowski, der König der Löwen, ist völlig unempfindlich. Noch kurz vor Weihnachten scheiterte er mit der Komplettübernahme des börsenotierten Fernsehkonzerns RTL Group
. Die peinliche Niederlage in Luxemburg hindert ihn aber ein gutes halbes Jahr später nicht daran, genau in die andere Richtung loszulaufen. Ostrowski ist nun bereit, Zukäufe auch mit RTL-Aktien zu bezahlen. Bis zu 15 Prozent der mühsam erkämpften RTL-Anteile will der Unerschrockene abgeben. Die Kehrtwende ergibt Sinn. Denn der tabulose Umbau des Konzerns schafft neue unternehmerische Freiheiten, damit Bertelsmann angesichts von rückläufigen Umsätzen und Gewinnen endlich wieder auf den Wachstumspfad zurückfindet.


