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12.09.2008 
Deutsche Bahn

Kommentar: Die Notbremse ziehen

von Florian Kolf

Wie gerne betont Bahnchef Hartmut Mehdorn, dass sein Unternehmen ein ganz normaler Konzern sei. Spätestens mit dem Börsengang will er das Etikett des Staatskonzerns loswerden, das für ihn noch zu sehr mit den muffigen Zeiten der Bundesbahn verbunden ist. Befreit vom Korsett des politischen Einflusses will er einen modernen, weltweit expandierenden Konzern führen.

Doch nun hat er wieder allen Kritikern Vorschub geleistet, die die Bahn nicht aus der Bevormundung durch den Staat entlassen wollen. Die Idee, den Kunden am Schalter einen "Bedienzuschlag" von 2,50 Euro pro Strecke anzuknüpfen, war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Den Aufschrei in Öffentlichkeit und Politik bis hin zur Kanzlerin hätte Mehdorn vorausahnen müssen

.

Schamlos und instinktlos wollte er seine Macht als Quasi-Monopolist missbrauchen, um seinen künftigen Aktionären noch mehr Erlösquellen präsentieren zu können. Wie in alten Behördenzeiten wollte er die Preise verordnen. Geschickte Kommunikation, intelligentes Marketing? Fehlanzeige.

Weniger Staatseinfluss ist für eine moderne Bahn sinnvoll - vorausgesetzt, das Management hat verstanden, dass es neben seinem berechtigten Gewinnstreben auch eine öffentliche Aufgabe zu erfüllen hat. Je besser es diese schwierige Gratwanderung bewältigt, desto selbstbewusster kann es gegenüber der Politik auftreten. Spätestens mit der Posse um den abstrusen "Bedienzuschlag" hat Mehdorn bewiesen, dass er für diese Herausforderung nicht der Richtige ist. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee sollte als Vertreter des Eigentümers die Notbremse ziehen und rasch einen Nachfolger für Mehdorn suchen.

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