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12.09.2008 
Deutsche Bank übernimmt Postbank

Kommentar: Verpflichtet zur Größe

von Nicole Bastian

Es sind zwei Milliardendeals innerhalb weniger Tage - und dennoch könnten sie in einigen Punkten unterschiedlicher nicht sein. Commerzbank-Chef Martin Blessing ist bis an die Grenzen der finanziellen Tragfähigkeit seines Instituts gegangen, um die Dresdner Bank für 9,8 Mrd. Euro zu schlucken. Möglichst schnell will er die beiden Institute zu einem verschmelzen, um fünf Mrd. Euro an Synergien zu heben, die Marke Dresdner Bank will er einstampfen.

Anders die Deutsche Bank in ihrem gerade verkündeten Deal: Konzernchef Josef Ackermann lässt Vorsicht walten, will sein Rating nicht gefährden, indem er die Eigenkapitalquote von 9,3 Prozent zu sehr strapaziert. Deshalb kauft er erst einmal nur 29,75 Prozent an der Postbank für 2,79 Mrd. Euro. Zunächst genügt ihm, dass er die Chance auf mehr hat. Und selbst dann würde er die Marke Postbank nicht antasten wollen, betont er.

Alle Vorsicht der Deutschen Bank sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass mit ihrem Einstieg bei der Postbank ein weiteres Kapital deutscher Finanzgeschichte geschrieben wird. Denn in Ackermanns Logik ist es ein erster Schritt, dem der zweite mit einer Mehrheitsübernahme folgen muss. Aus rechtlichen Gründen muss er sich zwar mit solchen Aussagen zurückhalten - sonst müsste er die Postbank-Beteiligung schon jetzt konsolidieren. Aber aus seiner Strategie macht er keinen Hehl: Es sei für die Deutsche Bank eine "Conditio sine qua non", im deutschen Heimatmarkt die größte Bank zu sein. Sonst könne er im Ausland nicht wirklich glaubhaft versichern, die beste Bank zu sein, erläuterte Ackermann. Bei solchen Worten kann er in den nächsten Jahren kaum beschließen, die restlichen Aktien nicht zu kaufen.

Damit aber wüchse die Deutsche Bank zu einer wahren Retailbank mit zusammen genommen mehr als 23 Millionen Privatkunden in Deutschland und mehr als 28 Millionen weltweit. Für diese Aussicht gibt sich Ackermann sogar mit einer niedrigeren Eigenkapitalrendite von unter 20 Prozent bei der Postbank zufrieden - was die Investmentbanker im eigenen Konzern kritisiert hatten. Das Massenretailgeschäft sei einfach kapitalintensiver, begründet der Deutsche Bank-Chef. Das hört sich in der Tat nach bekehrtem Privatkundenbanker an. Die Bewährungsprobe jedoch steht jetzt an. Als Minderheitsaktionär muss die Deutsche Bank zeigen, dass sie dieses neue Verständnis in einer entsprechenden Partnerschaft mit der Postbank lebt. Nur dann wird Ackermanns Coup zum Erfolg.

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