Geprüft, studiert, seziert - so genau wie das Bundeskartellamt hat schon lange niemand mehr den deutschen Lebensmitteleinzelhandel unter die Lupe genommen. Die professorale Begeisterung konnte Behördenpräsident Bernhard Heitzer kaum verbergen, als er gestern seine strengen Auflagen zur Übernahme von Plus durch Edeka begründete. Um unterschiedliche Vertriebssegmente hat er sich gekümmert, um den Unterschied von Handelsmarken und Herstellermarken ebenso.
Herausgekommen ist ein akademisches Konvolut, das einen starken Eindruck hinterlässt - nämlich den, als habe das Kartellamt vor lauter Bäumen den Wald nicht gesehen. Umständlich weist die Behörde in ihrem Bericht nach, dass der Discounter Plus eigentlich eher ein traditioneller Supermarkt ist - und deshalb mit Edeka-Standorten konkurriert statt mit Lidl oder Aldi. "Softdiscounter" nennt das Kartellamt deshalb Tengelmanns Billigkette. Schließlich stünden die "kleinen Preise" häufig auch auf Markenartikeln, während Aldi und Lidl Eigenkreationen in die Regale stellten.
Eine Begründung, die fragwürdig bleibt. Nur sehr aufmerksamen Kunden nämlich dürften diese Unterschiede auffallen, zumal bei den Discountkonkurrenten der Markenanteil ständig schwankt. Noch unsinniger wird die Entscheidung, wenn man sich die Produzenten hinter den Aldi- oder Lidl-Marken anschaut. Meist sind dies dieselben, die Edeka oder Plus die "Frosta"- oder "Katjes"-Artikel in die Läden liefern.
Wer glaubt, dass Hersteller- und Handelsmarken beliebig voneinander kalkuliert und angeboten werden können, ist naiv. Schlimmer noch: Er zementiert die Preisführerschaft von Aldi. Der Discountkönig bleibt mit dem Segen des Kartellamts auch künftig unangefochten.

