Dammbruch in Stuttgart: Die Landesbank Baden-Württemberg zahlt einen hohen Preis für ihre expansive Strategie der vergangenen Jahre. Denn die Zukäufe erweisen sich als Fass ohne Boden. Wie die Bank den Imageschaden reparieren will, ist fraglich. Klar ist hingegen, wohin der Weg in der Zukunft gehen muss.
Nach Nordrhein-Westfalen und Bayern hat jetzt auch Baden-Württemberg sein Landesbank-Desaster. Über Monate hinweg wurden die bitteren Wahrheiten unter dem Deckel gehalten, umso explosiver ist jetzt der Ausbruch der Milliardenverluste. Das Debakel der "bärenstarken Bank im Südwesten" übertrifft in seinen Ausmaßen noch das der WestLB, die bisher der Prügelknabe im öffentlich-rechtlichen Bankensektor war.
Jetzt offenbart sich, dass die Übernahme der SachsenLB ein Himmelfahrtskommando war, auch der Kauf der früheren Landesbank Rheinland-Pfalz entpuppt sich als Fass ohne Boden. Die Eigentümer der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zahlen nun einen hohen Preis für die expansive und fehlgeschlagene Strategie von Vorstandschef Siegfried Jaschinski. Bis die jetzige Schieflage ausgebügelt ist, dürften noch Jahre vergehen.
Schlimmer als die roten Zahlen wird der Imageverlust der LBBW wirken. Die Marketing-Strategie der "Hausbank" für den ehrlich schuftenden Mittelständler ist von den Abenteuern an den internationalen Kapitalmärkten unterspült worden; die horrenden Verluste mit hochkomplexen Finanzprodukten passen nur schwerlich zu einem angeblich bodenständigen Kreditinstitut. Es bleibt das Geheimnis des Vorstands, wie er diesen Reputationsschaden wieder reparieren will.
Die Lage der Bank hat auch zu tiefen Zerwürfnissen unter den Eigentümern geführt, die allesamt die Zeche zahlen müssen. Das Land und die Stadt Stuttgart müssen Abschied nehmen von der Haushaltssanierung und die teilweise kerngesunden Sparkassen müssen schlechtem Geld noch gutes hinterherwerfen. Dabei ist keineswegs ausgemacht, dass nicht im nächsten Jahr neue Fehlbeträge auflaufen, wenn beispielsweise die Risikoabschirmung in Sachsen nicht mehr standhalten sollte.
Die angestrebte Fusion mit der Bayerischen Landesbank wird die Träger erneut vor gigantische Probleme stellen, schließlich müssen zwei verlustreiche Institute zu einem Konzern mit Zukunft zusammengeschweißt werden. Es droht ein Kahlschlag bei den Arbeitsplätzen. Aber es ist der einzige Ausweg für die leidgeprüften Eigentümer beider Landesbanken - die "stand alone" Lösung hat sich für alle öffentlich-rechtlichen Großbanken überlebt.


