Der Rückzug der Alitalia-Investoren droht zur ersten großen Schlappe für Silvio Berlusconi zu werden. Kein Wunder, dass er alles daransetzt, die Gewerkschaften und Unternehmer doch zu einer Lösung zu bewegen. Er riskiert sein Image als Macher. Auch wenn er im Ausland nur mit Unverständnis verfolgt wird: Die Zustimmung in der italienischen Bevölkerung für Berlusconi liegt bei zwei Dritteln. Er hat seit seinem Antritt vor fünf Monaten nicht nur die Eigenheimsteuer abgeschafft und das Militär auf Italiens Straßen patrouillieren lassen. Er hat auch das Müllproblem in Neapel gelöst. Berlusconi, der Mann der Tat.
Im August sah es so aus, als habe er auch eine Lösung für die angeschlagene Fluggesellschaft Alitalia gefunden. Mehr als ein Dutzend Unternehmer sollten in das operative Geschäft von Alitalia investieren und damit die italienische Identität der Fluggesellschaft wahren. Damit hätte der Regierungschef ein weiteres Wahlkampfversprechen eingelöst. Nur wenige Italiener stören sich daran, dass Berlusconi den Unternehmern für ihren patriotischen Akt im Gegenzug wohl das ein oder andere Zugeständnis bei staatlichen Konzessionen und zukünftigen öffentlichen Aufträgen gemacht hat.
Doch nun ist die nationale Rettung von Alitalia in Gefahr. Die Gewerkschaften sind sturer, als Berlusconi vermutet hat. Und auch die Unternehmer waren nicht zu weiteren Zugeständnissen bereit. Berlusconi steht vor dem gleichen Desaster wie seine Vorgänger, mit dem Unterschied, dass Alitalia mittlerweile noch weniger Geld hat. Eine Pleite der Fluggesellschaft wäre seine erste große Niederlage. Berlusconi wird nun seinen Ruf als Macher zu retten suchen. Auch wenn das noch mehr Geschenke an die Beteiligten bedeutet.


