Man sieht es förmlich vor sich: Hektisch wälzt die Republik ihre Kontoauszüge auf der Suche nach unerwünschten Abbuchungen. Das Gespenst der virtuellen Räuber geht um. Millionen von Kundendaten sind in Händen, in denen sie nichts zu suchen haben. Das Geschäft mit illegal erworbenen Daten boomt, entsprechend groß ist die Aufregung. Immer lauter werden die Rufe nach neuen Gesetzen.
Der hilfesuchende Blick zu Justitia mag verständlich sein, ändern würden neue Vorschriften aber nichts. Der Hebel, mit dem ein globaler Daten-Gau verhindert werden kann, sind nicht neue Paragrafen. Es ist der Mensch und dessen Umgang mit den Informationen. Das Szenario erinnert an Sisyphos, jenen Helden der griechischen Mythologie. Zur Strafe musste er in der Unterwelt einen Felsbrocken einen steilen Hang hinaufrollen. Immer wenn er sich gerade am Ziel glaubte, raste die schwere Last wieder gen Tal.
Ähnlich werden sämtliche Versuche enden, der kriminellen Datennutzung per Gesetz Einhalt zu gebieten. In dem Moment, in dem die Legislative die Paragrafen an die technologischen Möglichkeiten angepasst hätte, wären diese einen Schritt weiter. Wenn schon die Techniker in den Unternehmen die digitalen Angriffe kaum abwehren können, wie um alles in der Welt sollen es die Politiker mit dem Gesetzbuch schaffen?
Natürlich steht außer Frage: Der Handel mit Daten muss stärker reglementiert und dessen Missbrauch härter bestraft werden. Nur so können die Übeltäter später überhaupt belangt werden. Aber machen wir uns nichts vor: Die Abschreckung würde nur partiell funktionieren. Die kriminell motivierten Datendiebe wären kaum beeindruckt.
Noch dazu ist der Datenklau einfacher denn je. Im Internet kursieren komfortable Werkzeuge und Hilfsmittel. Programmierkenntnisse sind nicht mehr nötig. War Spionieren einmal eine Herausforderung für echte Spezialisten, ist daraus im digitalen Zeitalter ein Laienjob geworden.
Umso wichtiger ist es, den Zugang zu den Daten zu verhindern. Informationen sind eine Ware mit einem erheblichen wirtschaftlichen Wert. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Doch die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, sind in vielen Köpfen noch nicht angekommen, in privaten Haushalten wie in den Unternehmen.
Es fehlt an Sensibilität im Umgang mit den Daten. Das beginnt im privaten Umfeld. Allzu leichtfertig werden persönliche Angaben ins Internet gestellt. Die Chancen und der Wille, Mitglied in einer begehrten "Community" zu werden, fegen alle Bedenken beiseite. In aller Öffentlichkeit werden per Handy hochsensible Gespräche geführt.
Mangelhaft auch der Datenschutz auf Firmenseite. Nur wenige Unternehmen schulen ihre Mitarbeiter, wie sie Informationen richtig schützen. Allzu häufig geht der Sparkurs zulasten der Sicherheit in der eigenen Informationstechnologie.
Das Internet mit seinen manchmal unglaublichen Möglichkeiten hat den Zugang zu Informationen rasant beschleunigt. Ganz offensichtlich haben die Fähigkeiten der Menschen, mit dieser neuen Situation umzugehen, nicht Schritt halten können. Hier anzusetzen ist und bleibt die beste Prävention.


