Das Schöne am Fußball ist: Jeder kann mitreden. Bei der Europameisterschaft mutierte Deutschland wieder einmal zu einer Nation der Nationaltrainer, die heiß diskutierte, ob nun Gomez stürmen solle oder Podolski. Das Unschöne am Fußball: Jeder glaubt, mitreden zu können.
Zum Beispiel das Kartellamt. Dieses fordert eine Ausstrahlung der Bundesliga-Zusammenfassung im frei empfangbaren TV vor 20 Uhr, weil nur so der Zuschauer ausreichend beteiligt sei. Und nur bei ausreichender Beteiligung sei die zentrale Vermarktung der Fernsehrechte hinnehmbar.
Diese Argumentationskette ist krude, unzeitgemäß und lässt eine Besonderheit des Sportgeschäfts außen vor: Hier kann eine Branche nur funktionieren, wenn ihre Beteiligten im sportlichen Wettbewerb konkurrieren, sich in der externen Vermarktung aber zusammentun.
Die Fußball-Bundesliga ist ein Monopolist. In diesem Fall ist das gut so. Welcher Fan würde ernsthaft einen Wettbewerb zwischen mehreren Ligen wollen? In den USA scheiterten mehrfach Versuche, Konkurrenzligen zu bestehenden zu eröffnen.
Die Liga vermarktet ihre TV-Rechte im Paket - auch das ist gut. Denn würde jeder Club seine Spiele individuell verkaufen, profitierten davon nur die Star-Vereine wie Bayern München. Möglicherweise wären einzelne Spiele gar nicht zu sehen, weil kein Sender zahlen würde für eine Partie wie Wolfsburg gegen Hoffenheim. Die Folge: Bayern & Co. würden dank Finanzpolster der Liga enteilen, die Meisterschaft würde langweilig. Die Einzelvermarktung wäre deshalb eine Einschränkung des sportlichen Wettbewerbs. Nicht die zentrale Vermarktung, sondern die Marktauffassung der Kartellwächter ist das Problem.
Und ihre Vorstellung von der "Beteiligung der Bürger": Die Beamten unterstellen ein Volk, das sich um 18 Uhr vor der Glotze versammelt, um den Ergebnissen entgegenzufiebern. Nur: Heute fiebert niemand mehr. Wer kein Pay-TV hat, verfolgt die Spiele über das Internet im Live-Ticker oder bekommt die Resultate per SMS.
Wer sagt, dass die Menschen vor 20 Uhr Fußball im Fernsehen schauen wollen? Vielleicht wäre ihnen eine spätere Ausstrahlung lieber? Ohnehin haben sich viele per Videorekorder und Internet unabhängig gemacht vom diktatorischen Programmschema. Erinnern wir uns an die ersten Bundesliga-Versuche von RTL vor 20 Jahren: Schnell war es vorbei mit der Vier-Stunden-Sendung. Wenn eine späte Ausstrahlung tatsächlich den Zuschauerwünschen widerspricht, sinken die Quoten und beim nächsten TV-Vertrag somit die Einnahmen. So etwas nennt man Marktwirtschaft.
Ihr Schutz ist Aufgabe des Kartellamts. Doch statt auf ihre Funktionsfähigkeit zu setzen, definieren die Kartellwächter selbstherrlich den Fußball für den kleinen Mann. Merkwürdig nur: Im noch viel kickverrückteren England gibt es keine Sportschau, wie wir sie kennen. Die Spiele sind gestreut über das Wochenende, live sind sie nur im Pay-TV zu sehen. Die frei empfangbare Zusammenfassung gibt es Samstags um 22.30 Uhr, Sonntagmorgen wird sie wiederholt. Trotzdem ist die Premiere
League die erfolgreichste Fußball-Liga der Welt. Vielleicht, weil sich die englischen Kartellbehörden nicht über den Fußball zu profilieren suchen?

