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21.08.2008 
Evonik

Methode Müller

von Dieter Fockenbrock

Werner Müller geht! Die Adjektive "unerwartet", "überraschend" werden jetzt vielfach Verwendung finden. Leider sind sie unangebracht, wenn auch nicht falsch. Denn bei Müller ist alles unerwartet oder überraschend. Egal was er macht, Müller pflegt eine ganz eigene Methode, andere zu überzeugen. Und das sehr erfolgreich. Seine Bewunderer nennen das schlau, seine Gegner sähen ihn dafür am liebsten in der Verbannung.

Mit Müller, so viel steht fest, tritt zum Jahresende ein kluger und profilierter Kopf ab, ein Mann, der Dinge bewegen kann und der Dinge wirklich bewegt hat. Das unterscheidet ihn ganz wesentlich von anderen Managern und Politikern. Denn Müller war beides. Auch das hat er anderen voraus.

Politisch betrachtet hinterlässt Müller sogar etwas, was man getrost Vermächtnis nennen darf. Für die erste rot-grüne Regierung dieser Republik organisierte er den Atomausstieg und wurde landesweit bekannt als "Minister Müller (parteilos)". Später organisierte er den Ausstieg aus der Steinkohleförderung. Den ersten Job erledigte er auftragsgemäß als Kabinettsmitglied, den zweiten eher aus eigener Berufung. Denn als Chef der früheren Ruhrkohle AG sah er sich verantwortlich dafür, dass der politische Beschluss, die Zechen zu schließen, überhaupt finanziert und damit umgesetzt werden kann.

Was Müller davon hält, gleichzeitig Kernkraft und Kohle aufzugeben, das steht auf einem ganz anderen Blatt. In solchen Fragen ist er aber ganz Preuße.

Bei jedem anderen Manager würden nun Dissonanzen im Hintergrund für den plötzlichen Abgang verantwortlich gemacht. Nicht so bei Müller. Sein Rücktritt als Chef des Börsenaspiranten Evonic ist sorgfältig vorbereitet und inszeniert. Damit auch jeder mitbekommt, dass Werner Müller geht.

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