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26.06.2008 
Fortis

Mut zur falschen Zeit

von Nicole Bastian

Im vergangenen Jahr gehörte der belgische Finanzkonzern Fortis zum siegreichen Triumvirat der Banken, die die niederländische Großbank ABN Amro feindlich übernommen hatten. Doch die Beute von damals erweist sich für Fortis heute als schwer verdaubarer Brocken.

Dem Topmanagement um Jean-Paul Votron war nicht klar, wie sehr die Finanzkrise zusätzlich das Kapital des Konzerns belasten würde. Dabei geht es nicht allein um den Kaufpreis, der im Rückblick hoch erscheint. In diesem und kommendem Jahr wollen die Belgier die 24 Milliarden Euro schweren Teile, die sie aus der ABN-Zerschlagung bekommen, zum größten Teil in den Konzern integrieren. Das müssen sie mit Kapital unterlegen, das wegen der Finanzkrise rar und teuer geworden ist.

Dass das Geld heute fester sitzt, spürt Fortis auch beim Verkauf der Teile des niederländischen Firmenkundengeschäfts, den die Wettbewerbsbehörden fordern. Für rund 300 Millionen Euro unter dem Nettovermögenswert müsse das Geschäft wohl abgegeben werden, warnt Fortis.

Votron muss sich die Frage gefallen lassen, ob er sich im vergangenen Jahr nicht vom Übermut hat mitreißen lassen. Jenem Übermut, der in der Branche kursierte, die, so Ex-Citigroup-Chef Charles Prince, tanzte, solange die Musik spielte. Votrons Aktionäre sind sauer, weil er ihnen die Dividende streicht und den Wert ihrer Aktie weiter verwässert. Dass der Schritt am Ende für Fortis dennoch der richtige war, wird für ihn schwer zu beweisen sein.

"Zur Unzeit Mut zeigen, das taugt ebenso wenig, als ob man in einem Korbe Wasser tragen wollte", hat der französische Schriftsteller Honoré de Balzac gesagt. Jetzt muss Votron schnell laufen, damit er am Ziel noch genügend Wasser im Korb hat.

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