Josef Ackermanns Versuch, die Märkte zu beschwichtigen, war erfolgreich. Gestern legte die Aktie der Deutschen Bank
um bis zu sechs Prozent zu, nachdem zuletzt noch Spekulationen um eine drohende Kapitalerhöhung die Runde machten. Diesen Sorgen ist der Branchenprimus nun sehr klar entgegengetreten. Das hat Vorbildcharakter. Dennoch kann dieser Schritt auch bei der Deutschen Bank
nur der Anfang sein.
Man kann sicherlich lamentieren und sagen, die Märkte haben jeglichen Realitätsbezug verloren. Auch mag man zu Recht darauf hinweisen, dass eine Deutsche Bank
und - nur als Beispiel gewählt - die arg gebeutelte UBS
wenig miteinander zu tun haben. Doch am Ende ist das alles nicht relevant. Denn die Investoren entscheiden letztlich selbst, wem sie vertrauen. Oder kürzer: "Der Markt hat immer recht." Und da sprechen die nackten Zahlen derzeit ganz offensichtlich keineswegs für Ackermann. Sippenhaft hin oder her: Binnen eines Jahres hat die Aktie der "Blauen" schließlich mehr als die Hälfte ihres Werts eingebüßt.
Grund ist der Vertrauensverlust, den sich die Banken - auch die Deutsche - selbst zuzuschreiben haben. Ackermanns im Herbst ohne Not ausgerufenes Ende der Abschreibungen im eigenen Hause ist da nur ein Beispiel.
Viel wichtiger ist die Frage, wie die Deutsche Bank
künftig Geld verdienen und ihre Renditeziele erfüllen will. Woher sollen die Erträge kommen, wenn strukturierte Produkte plötzlich Teufelszeug sind und auch andere Bereiche des Investment-Bankings immer stärker in die Krise geraten? Trägt das Geschäftsmodell noch? Auf all diese Fragen erwartet der Markt Antworten. Wer tatsächlich Transparenz schaffen will, sollte sich damit nicht allzu viel Zeit lassen.

