Das Selbstvertrauen der Opec-Staaten ist enorm gestiegen. Je höher der Ölpreis steigt, desto mehr verschiebt sich die weltwirtschaftliche Machtbalance zugunsten der Produzenten. Der Kopf des Zwölferkartells, Saudi-Arabien, verfügt als einziges Land über nennenswerte Reservekapazitäten. Damit hat die Opec die Schlüsselrolle: Sie bestimmt, wie knapp der Schmierstoff der Weltwirtschaft wird.
Mit dem Öl sprudelte in den vergangenen Jahren vor allem in den Golfstaaten mit ihren niedrigen Produktionskosten märchenhafter Reichtum aus dem Boden. Den nutzten die Ölscheichs, um ihre Wirtschaft auf breitere Füße zu stellen - und um in aller Welt zu investieren, von Banken bis zu Fußballklubs. Damit das Märchen aus Tausendundeiner Nacht nicht abrupt endet, muss der Ölpreis hoch bleiben. Vor nichts hat die Opec mehr Angst als vor einer Wiederholung der Ereignisse in den späten 90er-Jahren. Vor zehn Jahren erhöhte sie noch ihre Produktion, als sich schon die Asienkrise abzeichnete. Die Folge: Der Ölpreis fiel unter zehn Dollar. Das soll auf keinen Fall noch einmal passieren.
Dass die Opec die Zügel nun wieder anzieht, muss die Ölkunden nicht allzu sehr beunruhigen. Sie sollten eher eine Randnotiz des Wiener Treffens beachten: Russland drängt die Opec zu einer vertieften Kooperation, hat sogar konkrete Vorschläge für eine Vereinbarung vorgelegt. Die Russen sind zwar schon seit zehn Jahren als Beobachter bei Opec-Sitzungen, doch sollten sie künftig an Mengenabsprachen teilnehmen, dann stiege das Erpressungspotenzial gegenüber dem Westen beträchtlich. Parallel arbeitet Russland schließlich an der Gründung einer "Gas-Opec" mit Iran und anderen großen Produzenten. Die Reaktion darauf kann nur sein: Die großen Öl- und Gasimporteure müssen ebenfalls ihre Zusammenarbeit verstärken.


