Einige Dax-Konzerne wollen mehr Schutz gegen Übernahmen. Aber die Chancen, dass sie den bekommen, stehen schlecht.
Am Anfang war der Fall Conti
, jetzt soll es eine Lex Schaeffler geben. Das ist im Kern das Ziel des "Brandbriefes", den Finanzchefs bedeutender deutscher Unternehmen an Peer Steinbrück geschrieben haben. Der hat davon zwar schon aus der Zeitung erfahren, was dem Vorstoß gewiss nicht förderlich sein dürfte. Aber an der Zeit scheint die Gegenattacke aus dem Lager der Publikumsgesellschaften gewiss zu sein.
In ihrem Papier schlagen die Finanzchefs Steinbrück eine deutliche Verschärfung des bestehenden Risikobegrenzungsgesetzes vor. Mit noch mehr Transparenz beim Ankauf von Aktienpaketen soll verhindert werden, was Noch-Conti
-Chef Manfred Wennemer mit dem Verb "anschleichen" bezeichnet hat: der Erwerb nennenswerter Aktienpakete an einem Unternehmen bei Umgehung der gesetzlichen Meldepflicht. Im Zentrum der Kritik stehen dabei die Finanzmarktvehikel, die im Fall Conti
Karriere gemacht haben: Cash Equity Swaps.
Die Aussichten, mit dem Vorstoß Erfolg zu haben, dürften bescheiden sein. Erstens hat das Justizministerium schon signalisiert, dass es keine großen Lücken im Gesetz erkenne. Zweitens gibt es aus dem Lager der Unternehmen selbst erhebliche Bedenken, so sind MAN
und Allianz definitiv nicht dabei. Mögen die Initiatoren also auch das Wohl der Aktionäre anführen, denen ohne die neuen Regeln eine "angemessene Übernahmeprämie" entgehe - die Gegenattacke droht zu verpuffen.
Denn auch der Finanzminister dürfte spüren, dass es vor allem eins ist, was die Konzerne antreibt: Nach der Schaeffler-Attacke sitzt ihnen die Angst im Nacken. Das aber steht gleichsam nur zwischen den Zeilen. So bleibt die simple Wahrheit: Der beste Schutz gegen feindliche Übernahmen ist der gute Aktienkurs.


