Bei Bertelsmann spielt künftig nicht mehr die Musik . Die Gütersloher haben sich mit dem Verkauf ihres 50prozentigen Anteils am Musikkonzern Sony
-BMG endgültig von der Krisenbranche verabschiedet. Die Entscheidung ist richtig. Denn die Branche ist im Zeitalter des Internets ein rückläufiges Geschäft. Angesichts von Online-Piraterie und schwacher Konjunktur stehen zudem die Chancen auf eine Erholung schlecht.
Konzernchef Hartmut Ostrowski trimmt Bertelsmann endlich wieder auf Wachstum. Er baut seit seinem Amtsantritt Ende 2006 den Medienriesen zügig und konsequent um. Der Abschied aus der Musik und zugleich aus den unrentablen Teilen des Buchklubgeschäfts ist daher logisch. Schließlich hat der Ostwestfale Ostrowski der Eigentümerfamilie Mohn viel versprochen. Bis 2015 will er den Umsatz von Europas größtem Medienkonzern auf über 30 Milliarden Euro katapultieren - zuletzt waren es nicht einmal 19 Milliarden. Den operativen Gewinn (Ebit) will er bis dahin von zuletzt 1,8 Milliarden auf über drei Milliarden Euro steigern. Um diese Ziele zu erreichen, muss Bertelsmann aber noch einen steinigen und langen Weg bewältigen.
Mit seiner schnellen Entscheidungen, die beiden Problemkinder Musik und Buchklub aus dem Weg zu räumen, schafft Ostrowski zumindest die Voraussetzungen für seinen ehrgeizigen Wachstumskurs. Der von ihm betriebene Umbau ist eine Zäsur für Bertelsmann. Der klassische Medienkonzern aus Gütersloh gehört mit dem Ausstieg aus der Musik endgültig der Vergangenheit an.
Künftig muss Bertelsmann sein Heil vor allem im Fernseh- und Dienstleistungsgeschäft suchen. Das wird nicht einfach. Denn auch beim Fernsehen wachsen die Bäume längst nicht mehr in den Himmel. Und das Servicegeschäft? Das ist kleinteilig, kompliziert und langwierig.


