Hubertus von Grünberg hatte gestern einen vollen Terminkalender. In Zürich stellte er mit dem US-Manager Joseph Hogan den neuen Chef des Mischkonzerns ABB
vor. Das war notwendig, weil sich der ABB
-Verwaltungsrat unter Führung des Deutschen im Frühjahr vom damaligen Chef Fred Kindle trennte.
Seitdem war von Grünberg auf der Suche. Jetzt werfen ihm die einen vor, über sein Engagement in der Schweiz und in weiteren Gremien wie dem Aufsichtsrat der Deutschen Telekom habe er die Probleme von Continental
nach dem Kauf von VDO übersehen. Den heutigen Konzern hat der 66-Jährige in seiner Zeit als Vorstandschef erst geschaffen. Seit 1999 steht er dem Aufsichtsrat vor.
Ein zweiter Vorwurf geht wesentlich weiter: Von Grünberg habe Conti
nicht aus den Augen verloren, sondern angesichts des schwachen Aktienkurses aktiv nach einem sicheren Hafen gesucht. Fündig geworden sein soll er bei eben jenem fränkischen Familienbetrieb, dem er bis zum Jahr 2006 als Beirat verbunden war: der Schaeffler-Gruppe.
Der Vorwurf trifft besonders deshalb auf fruchtbaren Boden, weil es Parallelen zu einem früheren Übernahmeplan gibt. Auch in diesem Fall hatte von Grünberg eine Zeit lang als Berater agiert.
Mittlerweile wissen wir, dass von Grünberg aktuell im Continental
-Aufsichtsrat Sympathie für eine Übernahme des Dax-Konzerns durch Schaeffler geäußert hat. Sein Vorstandschef Manfred Wennemer lehnt den Vorstoß dagegen vehement ab.
Schweigen gilt jetzt nicht: Die Anleger stehen vor der Frage, ob sie ihre Conti
-Papiere zum angebotenen Preis von 69,37 Euro pro Aktie an Schaeffler abgeben sollen. Sie haben ein Recht darauf, zu erfahren, auf welcher Seite Contis
Aufsichtsratschef steht.


