Im Münchener Medienvorort Unterföhring brodelt die Gerüchteküche. Wer hat noch Lust, künftig den Fernsehkonzern Pro Sieben
Sat 1 zu lenken? Die Zeit drängt. Denn bereits im Frühherbst soll Vorstandschef Guillaume de Posch seinen Chefsessel räumen. Viele Kandidaten, vom Bertelsmann-Vorstand bis hin zu Kirch-Vertrauten, werden für den Führungsposten genannt. Manche haben wegen der verfahrenen Situation längst abgewunken. Denn über das Schicksal der Krisen geschüttelten Sendergruppe wird bei den beiden Großaktionären KKR und Permira entschieden. Der neue Vorstandschef hat da nur wenig Spielraum.
Nach dem Ende der Ära unter Guillaume de Posch müssen die beiden Finanzinvestoren endlich die richtigen Weichen für die Zukunft des Konzerns stellen. Soll die Sendergruppe verstärkt auf das Internet oder doch wieder auf das werbefinanzierte Fernsehen setzen? Macht eine europäische Sendergruppe mit einem schwachen deutschen Kerngeschäft und Minisendern von Norwegen bis Rumänien überhaupt strategisch Sinn? Vielleicht ist auch eine Zerschlagung die bessere Option, da beispielsweise mit dem Bezahlsender Premiere
sogar ein Interessent für das Sorgenkind Sat 1 bereit?
Derzeit gibt es viele Fragen, aber nur wenig Antworten. Sollte die Unsicherheit weiter anhalten, droht die Sendergruppe unter die Räder zu kommen. KKR und Permira haben mit einem Milliarden schweren Schuldenberg den Konzern paralysiert und sich mit einer umstrittenen Dividendenerhöhung opulent selbst bedient. Sie haben dem Konzern viel, vielleicht zu viel aufgebürdet. Pro Sieben
Sat 1 lässt sich aber nicht mehr weiter ausquetschen. Nur neue Investments und realistische Strategien den gebeutelten TV-Konzern wieder zu altem Glanz verhelfen.


