Der ehemalige Siemens
-Chef Heinrich von Pierer ist in den letzten Monaten wegen der Korruptionsaffäre des Traditionskonzerns schwer ins Gerede gekommen. In der Diskussion über die Verstrickung des Managers in den Schmiergeldskandal geht aber meist völlig unter, dass von Pierer einige unternehmerische Glanzleistungen gelungen sind. Die Abspaltung der Halbleitersparte auf dem Höhepunkt des Börsenbooms Ende der 90er-Jahre war solch ein genialer Zug. Einerseits spülte der Erlös aus dem Börsengang viele Millionen in die Kasse von Siemens, andererseits mussten fortan private Investoren die Verluste tragen.
Zehn Jahre ist es inzwischen her, dass sich von Pierer zur Trennung von den Chips entschlossen hat. Aber noch immer ist Infineon
, das Unternehmen, das damals aus der Siemens
-Halbleitersparte entstand, nicht auf die Beine gekommen. Angesichts der jüngsten, tiefroten Zahlen mutet es heute fast wie ein Wunder an, dass es Infineon
überhaupt noch gibt.
In diesen Tagen versucht sich das Münchener Unternehmen wieder einmal an einem Neustart. So wie schon vor vier Jahren, als der Conti-Manager Wolfgang Ziebart auf den umtriebigen, aber letztlich erfolglosen Ulrich Schumacher folgte. Doch auch Ziebart konnte den Absturz des zweitgrößten europäischen Chipkonzerns nicht stoppen. Jetzt darf sich mit dem langjährigen Infineon
-Vorstand Peter Bauer der nächste Manager an der Sanierung des hochdefizitären Konzerns versuchen.
Die roten Zahlen werfen allerdings nicht nur ein schlechtes Licht aufs Management. Auch der Aufsichtsrat hat versagt. Der ehemalige Finanzchef von BASF, Max Dietrich Kley, führt das Kontrollgremium bereits seit 2002. Er hätte also genügend Zeit gehabt, Infineon
in die richtige Richtung zu lenken.
Das Rezept, mit dem Bauer den todkranken Patienten jetzt endlich kurieren will, ist weder neu noch originell: Der Manager hat gestern vor Investoren und Analysten angekündigt, die Kosten nächstes Geschäftsjahr um einen dreistelligen Millionenbetrag zu senken. Wie das im Detail gehen soll, ließ der Manager aber offen.
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