Mit niedrigeren Kosten allein wird aus Infineon
sowieso noch kein erfolgreiches Unternehmen. Zu viele Sanierungsprogramme hat der Konzern hinter sich, zu oft sind die Unternehmensberater schon durch die Flure gezogen und haben nach Sparmöglichkeiten gesucht. Längst sind die meisten Randbereiche verkauft, schon lange hat der Vorstand das Tafelsilber verscherbelt. Die Sparwelle hat zudem tiefe Wunden hinterlassen. So mancher Ingenieur hat Infineon
verlassen, weil Forschung und Entwicklung eingedampft wurden.
Angesichts der desolaten Lage ist es kein Wunder, dass schon seit Wochen über einen spektakulären Befreiungsschlag spekuliert wird. Infineon
selbst will von tiefgreifenden Einschnitten zwar noch nichts wissen. Doch der Konzern schließt auch keine Option aus. Einerseits könnte Infineon
sein Kerngeschäft durch eine größere Übernahme stärken. Konkurrent ST Microelectronics hat das gerade vorgemacht. Der französisch-italienische Konzern hat sein Mobilfunkgeschäft durch die Handysparte von NXP ergänzt. Angesichts der hohen Verluste sind Milliardenakquisitionen freilich nicht ganz einfach zu stemmen für die Münchener.
Andererseits ist denkbar, eine Sparte abzugeben und sich stattdessen nur noch auf ein Geschäftsfeld zu konzentrieren. Infineon
würde dann vermutlich das lukrative Geschäft mit Autochips behalten. Die Einnahmen aus dem Verkauf der anderen Sparte könnte die Firma dann nutzen, um den Autobereich zu verstärken.
Nicht auszuschließen ist auch, dass der Konzern angesichts seiner niedrigen Marktkapitalisierung übernommen und dann filetiert wird. Das ist momentan jedoch eher unwahrscheinlich, weil diese Strategie für jeden Investor sehr risikoreich wäre und den Private-Equity-Häusern in diesen Tagen das Geld für solche gewagten Deals fehlt. Was auch immer in den nächsten Monaten passiert, eins steht heute schon fest: Es kann nicht so weitergehen wie in den letzten zehn Jahren. Kein Unternehmen kann sich auf Dauer dermaßen hohe Verluste leisten.


