Das Traumschiff ZDF nimmt Kurs auf neue Paradiese. Kapitän Markus Schächter hat bereits ein märchenhaftes Ziel entdeckt: Der Mainzer Sender soll mit drei digitalen Kanälen zu neuen Ufern aufbrechen und das Image des "Kukident-Senders" hinter sich lassen.
Mit der geplanten Gründung eines Mainzer Kultur-, Familien- und Nachrichtenkanals will Schächter das ZDF aus der strategischen Zwangsjacke befreien und endlich im Fernsehparadies einer Sendergruppe ankommen. Denn im Vergleich zu ARD, Pro Sieben
Sat 1 oder RTL verfügen die Mainzer nicht über verschiedene Kanäle für unterschiedliche Zielgruppen. Für das ZDF wäre daher die Umsetzung der ehrgeizigen Pläne ein Meilenstein. Mit einem Schlag hätten die Mainzer die Sackgasse namens "Ein-Kanal-Sender" verlassen.
Die private Konkurrenz kann sich schon mal warm anziehen. Die Chancen für die Umsetzung des Schächter-Plans stehen nicht schlecht. Der Pfälzer pflegt exzellente Kontakte zum einflussreichen Mainzer Landeschef Kurt Beck. Auch in Unionskreisen wird der politisch clevere Intendant vom Mainzer Lerchenberg geschätzt und unterstützt. Selbst Gegner schwärmen vom geschmeidigen Strategen Schächter in den höchsten Tönen.
Sollten die Ministerpräsidenten bei der Verabschiedung des neuen Rundfunkstaatsvertrags im Oktober der Expansion grünes Licht geben, erweisen sie dem Fernsehmarkt in Deutschland aber einen Bärendienst. Denn die Gewichte verschieben sich bereits seit Jahren zum Vorteil der Öffentlich-Rechtlichen. Mit weiteren Programmen würde diese gefährliche Tendenz noch verstärkt. Denn mit neuen Inhalten hätten ZDF und ARD zudem die Legitimation, ihre Onlineangebote in alle Richtungen auszubauen. Paradiesisch - aus Sicht der Intendanten.


