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18.09.2008 
Karmann

Überfälliger Neustart

von Mark C. Schneider

Karmann hat endlich vollzogen, was ohnehin unausweichlich war. Das Traditionsunternehmen macht einen ehrlichen Schnitt und beendet seine Ambitionen, als kompletter Autobauer am Markt zu agieren.

Ob Käfer und Golf Cabriolet oder der legendäre Karmann Ghia - ihre Produktion ist Geschichte. Die Osnabrücker suchen den Erfolg zukünftig in der Produktion von Cabriodächern und in Entwicklungsarbeiten für die Automobilindustrie.

Dieser Schritt ist bitter für bis zu 1 700 betroffene Mitarbeiter und ihre Familien, er trifft den Standort Osnabrück hart - doch der längst fällige Neustart eröffnet zumindest den verbleibenden 2 400 Mitarbeitern gute Chancen, die Zukunft zu meistern.

Die Ironie an der Geschichte: Karmanns Kompetenz ist gefragt wie nie. Dutzendweise unterstützen Osnabrücker Ingenieure Volkswagen bei der größten Modelloffensive der Unternehmensgeschichte. Und die Nachfrage nach Cabriodächern steigt. Karmann gehört auf diesem Gebiet zu den führenden Anbietern.

Den Mitarbeitern hier zu Lande nützt das jedoch wenig. Produktionskapazitäten für neue Dächer folgen dem Wachstumspfad. Der zieht sich aber durch Osteuropa und Asien und nicht durch Deutschland.

Seit heute steht fest, dass Karmann zu einem reinen Automobilzulieferer wird, der den Gesetzen der Globalisierung Rechnung trägt. Dieser Einschnitt tut angesichts der strahlenden Modellgeschichte besonders weh.

Die Gesellschafter müssen sich allerdings fragen lassen, warum sie den Mut dazu nicht früher aufgebracht haben. Zu lange haben sie an der stolzen Familientradition des Automobilbaus festgehalten. Es ist Zeit für ein neues Kapitel in der Firmengeschichte.

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