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17.09.2008 
Hewlett-Packard

Unterschätzter Riese

von Jens Koenen

Wer mit IT-Chefs und Branchenkennern über Hewlett-Packard und IBM spricht, der sollte am besten zwei Schablonen parat haben. Sosehr sich die beiden IT-Giganten auf den ersten Blick auch gleichen mögen, in ihrer Wahrnehmung könnten sie kaum unterschiedlicher sein. Da ist die HP, eine glattgezogene Vertriebsorganisation, Profiteur des lukrativen Druckergeschäfts, aber eben langweilig. Ganz anders dagegen die IBM, immer im Umbau, sich ständig selbst neu erfindend, innovativ.

Doch passen diese Schablonen wirklich noch? Gerade HP hat sich in den letzten Jahren verändert wie kaum ein anderes IT-Unternehmen. Compaq wurde gekauft und langwierig integriert. Zahllose weitere Übernahmen folgten, vor allem aus dem Software-Bereich. Und nun also EDS, der Service-Spezialist.

Kein Zweifel: HP ist auf dem besten Weg, zu IBM aufzuschließen. Blickten die Manager von "Big Blue" in den Rückspiegel, sie müssten den Kontrahenten bereits sehen können. Sicher hat HP-Chef Mark Hurd noch einen weiten Weg vor sich. Seine Rechnung wird nur aufgehen, wenn die Integration von EDS gelingt.

Das aber wird die schwerste Aufgabe seiner Karriere. Hurd mag zwar diverse Integrationen erfolgreich umgesetzt haben. Doch bei EDS geht es um Dienstleistungen. Das ist "People-Business". Das Damoklesschwert eines riesigen Stellenabbauprogramms dürfte nicht gerade hilfreich sein, die wichtigen Köpfe zu halten.

So wird IBM erst einmal frohlocken, auf das eine oder andere Integrationsopfer aus der Kundenliste von HP/EDS hoffen. Doch "Big Blue" sollte eines niemals vergessen: Kurzfristig mag der Schrumpfungsprozess beim Rivalen zum eigenen Vorteil sein. Langfristig wird eine auf Profitabilität getrimmte neue HP gefährlicher sein als jemals zuvor.

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