Wer mit IT-Chefs und Branchenkennern über Hewlett
-Packard und IBM
spricht, der sollte am besten zwei Schablonen parat haben. Sosehr sich die beiden IT-Giganten auf den ersten Blick auch gleichen mögen, in ihrer Wahrnehmung könnten sie kaum unterschiedlicher sein. Da ist die HP
, eine glattgezogene Vertriebsorganisation, Profiteur des lukrativen Druckergeschäfts, aber eben langweilig. Ganz anders dagegen die IBM
, immer im Umbau, sich ständig selbst neu erfindend, innovativ.
Doch passen diese Schablonen wirklich noch? Gerade HP
hat sich in den letzten Jahren verändert wie kaum ein anderes IT-Unternehmen. Compaq wurde gekauft und langwierig integriert. Zahllose weitere Übernahmen folgten, vor allem aus dem Software-Bereich. Und nun also EDS
, der Service-Spezialist.
Kein Zweifel: HP
ist auf dem besten Weg, zu IBM
aufzuschließen. Blickten die Manager von "Big Blue" in den Rückspiegel, sie müssten den Kontrahenten bereits sehen können. Sicher hat HP
-Chef Mark Hurd noch einen weiten Weg vor sich. Seine Rechnung wird nur aufgehen, wenn die Integration von EDS
gelingt.
Das aber wird die schwerste Aufgabe seiner Karriere. Hurd mag zwar diverse Integrationen erfolgreich umgesetzt haben. Doch bei EDS
geht es um Dienstleistungen. Das ist "People-Business". Das Damoklesschwert eines riesigen Stellenabbauprogramms dürfte nicht gerade hilfreich sein, die wichtigen Köpfe zu halten.
So wird IBM
erst einmal frohlocken, auf das eine oder andere Integrationsopfer aus der Kundenliste von HP/EDS
hoffen. Doch "Big Blue" sollte eines niemals vergessen: Kurzfristig mag der Schrumpfungsprozess beim Rivalen zum eigenen Vorteil sein. Langfristig wird eine auf Profitabilität getrimmte neue HP
gefährlicher sein als jemals zuvor.


