Es klingt nicht gerade nach einer klaren Vorwärts-Verteidigung, wie Continental
-Chef Manfred Wennemer über die Schaeffler-Gruppe spricht. Der neue Konkurrent aus Franken habe "durch die Hintertür" und auf rechtswidrige Weise versucht, die Kontrolle über Conti
zu erlangen, kritisierte Wennemer gestern.
Bislang sieht es aber nicht danach aus, dass die Schaeffler-Gruppe irgendein Gesetz bei der Attacke auf Conti
gebrochen hätte. Das Familienunternehmen aus der Nähe von Nürnberg ist nur sehr geschickt vorgegangen und hat die aktuelle Schwäche des Wettbewerbers aus dem Norden ausgenutzt. Dem Conti
-Chef mag das nicht gefallen, die Vorgehensweise bleibt aber trotzdem legal.
Und wenn Wennemer die Schaeffler-Gruppe dafür kritisiert, dass die Süddeutschen Conti
"schnell und möglichst billig" übernehmen wollten, sind seine Vorwürfe überhaupt nicht mehr nachvollziehbar. Der Konzern aus Hannover ist bei seinen Übernahmen während der vergangenen Jahre genau nach diesem Muster vorgegangen: Eine Übernahme sollte schnell über die Bühne gehen, damit die Unternehmen nicht zu lange blockiert werden. Und ein Sparmeister wie Wennemer hat natürlich alles versucht, möglichst günstig an ein Unternehmen heranzukommen.
Auch Wennemers Vorwurf einer möglichen Zerschlagung zieht vor dem Hintergrund der eigenen Conti
-Historie nicht. Die Hannoveraner waren sich selbst nie zu schade, einzelne Sparten von anderen Unternehmen zu kaufen, wie die Beispiele Siemens
VDO und Motorola
Automotive gezeigt haben. Welche Gründe dann gegen einen Verkauf der Conti
-Reifensparte durch einen neuen Eigner namens Schaeffler sprechen, das weiß nur Wennemer.
Er misst hier mit zweierlei Maß. Es geht um den eigenen Job, das ist der wahre Grund.

