VW
-Chef Martin Winterkorn trotzt bislang allen Unkenrufen über den Untergang des automobilen Geschäftsmodells. Marktbeobachter und Analysten sind sich einig, dass die heute vorgelegten Zahlen für das erste Halbjahr 2008 hervorragend sind. Europas größter Autokonzern steigerte sein Operatives Ergebnis im Vergleich zur ersten Hälfte des Rekordjahres 2007 um satte 22 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg dagegen nur moderat auf 56,5 Millarden Euro.
Das zeigt zum einen, dass es den Wolfsburgern gelungen ist, attraktive und noch dazu margenträchtige Nischen wie mit dem Tiguan zu besetzen. Der Run auf den kompakten Geländegänger ist trotz des Rückwärtsganges in den Automärkten so groß, dass VW
mit der Montage im Stammwerk nicht nachkommt. Zum anderen belegen die Zahlen die positive Wirkung der Kosteneinschnitte der vergangenen Jahre.
Jetzt macht sich bezahlt, dass Volkswagen
rechtzeitig auf eine zukunftsfeste Strategie umgesteuert hat und sie bisher konsequent umsetzt. Kaum ein anderer Hersteller ist international so überzeugend aufgestellt. Der Erfolg ist vor dem Hintergrund widriger Umstände wie steigender Benzinpreise und Rohstoffkosten alles andere als selbstverständlich.
Ironischerweise profitiert VW
derzeit davon, nur einen geringen Teil seines Geschäftes in Nordamerika zu machen. Sogar Branchenprimus Toyota
muss dort Rückschläge hinnehmen. Die Nummer drei der Welt dürfte deshalb absehbar Volkswagen
heißen - und nicht mehr Ford
. Die entscheidende Fragen der nächsten Jahre werden aber sein, ob es VW
gelingt, in den USA als dem größten Automarkt der Welt voranzukommen - und ob Winterkorn es schafft, trotz der gewaltigen Kraftanstrengungen neuer Werke und Modelle auf der Kostenbremse zu bleiben. Er hat keine Wahl: Damit die Wachstumsstrategie aufgeht, muss der Konzern Kurs halten.

