In Österreich wird Ende September ein neues Parlament gewählt. Und in Vorwahlzeiten entwickeln Politiker gerne Ideen, die das Wahlvolk gnädig stimmen sollen, aber ökonomischer Unsinn sind. Genau das ist gerade bei der anstehenden Privatisierung der angeschlagenen Austrian Airlines (AUA) passiert.
Die Große Koalition in Wien hat sich gestern dafür ausgesprochen, dass die österreichische Fluggesellschaft nicht komplett, sondern nur zu 75 Prozent in ausländische Hände übergehen darf. Für die Wähler klingt das erst einmal nett. Die Politiker wollen damit erreichen, dass das AUA-Hauptquartier auf jeden Fall in der Alpenrepublik bleibt. Außerdem glauben sie, erreichen zu können, dass der Wiener Flughafen nichts von seiner Drehkreuz-Funktion für Osteuropa verliert.
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Politiker ihrer Fluggesellschaft nicht einen Bärendienst erwiesen haben. Der AUA geht es wahrlich nicht gut - die hohen Kerosinpreise treiben das vergleichsweise kleine Unternehmen in die roten Zahlen. Es hat keine Zukunft als eigenständiges Unternehmen, darüber herrscht Einigkeit unter den meisten Experten der Branche. Mit den Hürden, die die Wiener Regierung jetzt bei Austrian Airlines aufgebaut hat, erhöht sie - gelinde formuliert - nicht gerade das Interesse ausländischer Investoren wie beispielsweise der Lufthansa
.
Und außerdem geht der Beschluss an der Realität vorbei. Per Regierungsbeschluss lässt sich nicht diktieren, dass ein Investor feste Arbeitsplatzzahlen zusagt. Wenn die AUA zu teuer ist und im Wettbewerb nicht mithalten kann, ist jede Garantie für das Drehkreuz Wien sinnlos. Sollte sich für die AUA kein Partner finden lassen, dann liegt das an der gestrigen Entscheidung.

