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09.10.2008 
Galileo

Zu spät, zu teuer

von Eric Bonse

Das Konkurrenzprojekt zum amerikanischen GPS sollte ursprünglich schon in diesem Jahr in Betrieb gehen und Europas Wirtschaft mit ultragenauen, vielseitig verwendbaren Positionsdaten einen neuen Standortvorteil im globalen Wettbewerb verschaffen. Daraus wurde nichts. Der Start wurde nach etlichen Rückschlägen auf 2013 vertagt, die Finanzierung aus knappen EU-Kassen notdürftig zusammengezimmert.

Nun ist Galileo schon wieder ins Trudeln geraten. Die Finanzierung, die noch vor einem Jahr gesichert schien, wackelt. Ausgerechnet die Industrie, die sich weder auf ein schlagkräftiges Anbieter-Konsortium noch auf eine angemessene Kostenbeteiligung einigen konnte, macht Ärger. Mindestens zwei Milliarden Euro müsse der Auftraggeber - also die EU - drauflegen, damit auch nur die Aufbauphase beginnen könne, heißt es jetzt in deutschen Industriekreisen.

Wenn das stimmt, entwickelt sich Galileo zum Fass ohne Boden. Wenn schon der Aufbau so viel teurer wird, dürften sich bis zum tatsächlichen Start - der vermutlich auch noch verzögert wird - weitere Löcher auftun. Am Ende könnte das europäische GPS statt der veranschlagten 3,4 Milliarden Euro bis zu zehn Milliarden Euro kosten. Woher das Geld kommen soll, steht in den Sternen. Das EU-Budget gibt es gewiss nicht her; vorsichtshalber schaltet die EU-Kommission schon auf stur.

Das kategorische "Nein" aus Brüssel ist verständlich; ganz redlich ist es trotzdem nicht. Denn schon seit Monaten war klar, dass Galileo teurer werden würde. Unklar ist nur, ob das High-Tech-Projekt die Mehrkosten wert ist - oder ob es abgespeckt oder sogar abgeschossen werden muss. Eine klare Antwort ist überfällig.

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