Jetzt hat ihn jeder einmal gehabt, den größten Rüstungsauftrag des neuen Jahrtausends. Erst durfte Boeing
die neuen US-Tankflugzeuge bauen, bis aufflog, dass die ganze Ausschreibung geschmiert war. Anfang März erhielt dann überraschend die EADS
gemeinsam mit Northrop Grumann den Zuschlag für die Tankerflotte. Doch dann kassierte der US-Rechnungshof die Ausschreibung: wegen angeblicher "Rechenfehler". Jetzt dürfen beide ein neues Angebot einreichen.
Niemand wird den naheliegenden Vorwurf erheben - dass Rechnungshof und Verteidigungsministerium das Verfahren manipuliert und abgekartet haben mit dem Ziel, den 40-Milliarden-Dollar-Auftrag am Ende doch an Boeing
zu geben. So etwas zu behaupten wäre zumindest unklug: Solange das letzte Wort nicht gesprochen ist, bleibt für EADS
-Chef Louis Gallois das Prinzip Hoffnung.
Zähneknirschend schickt er Höflichkeitsfloskeln über den Atlantik. Doch zu glauben, dass wirtschaftliche Kriterien jetzt den Ausgang der Ausschreibung entschieden, wäre naiv. In den USA herrscht Wahlkampf, eine Rezession droht. Da ist dann auch in Amerika Schluss mit Freihandel, vor allem bei Regierungsaufträgen.
Für die EADS
ist der Verlust besonders bitter. Denn der Tankerauftrag hätte gleich mehrere Probleme der Airbus-Mutter gelöst. Seit Jahren versuchen die EADS
-Manager mit Militäraufträgen ein Gegengewicht zum chronisch anfälligen Zivilgeschäft aufzubauen. Doch der europäische Rüstungsmarkt ist zu klein, der Zuschlag für die US-Tankerflotte wäre der Durchbruch gewesen. Airbus hätte außerdem die Produktion in Alabama für den Bau von Frachtflugzeugen genutzt und so seine gefährliche Dollar-Abhängigkeit verringern können. Das bleiben jetzt erst einmal Träume.


