+++ Liveblog zur VW-Hauptversammlung +++
Management mit mehr als 99 Prozent der Stimmen entlastet

Der Dieselskandal ist immer noch dominantes Thema beim Autobauer Volkswagen. Auf der Hauptversammlung haben Aktionäre die Aufarbeitung durch die Konzernspitze kritisiert. Der Liveblog zum Nachlesen.
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HannoverDer Vergleich in den USA steht, die Gewinne sprudeln wieder bei Volkswagen - Europas größter Autobauer ist dennoch weit davon entfernt, Dieselgate hinter sich zu lassen. Denn der Betrug bei Abgaswerten von Millionen Autos bleibt allgegenwärtig bei der Hauptversammlung des Autobauers an diesem Mittwoch. Vorstandschef Matthias Müller und Chefaufseher Hans Dieter Pötsch mussten sich ihren Aktionären stellen. Die Ereignisse in Hannover im Liveblog zum Nachlesen.

+++ Pötsch schließt VW-Hauptversammlung +++
Um 22 Uhr schließt Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch die Hauptversammlung von Volkswagen. Genau zwölf Stunden hat das Aktionärstreffen gedauert - immerhin eine gute Stunde weniger als im Vorjahr. Auch ein Hinweis darauf, dass die Dieselaffäre den Konzern nicht mehr ganz so stark im Griff hat. 2018 geht die Hauptversammlung vielleicht noch schneller zu Ende.

+++ Vorstand entlastet, Kleinaktionäre ohne Chance +++
Mit großer Mehrheit hat die Volkswagen-Hauptversammlung Vorstand und Aufsichtsrat entlastet. Topmanager und oberste Kontrolleure bekamen mehr als 99 Prozent der Stimmen. Die Kleinaktionäre hatten mit ihren Gegenanträgen keine Chance, sich gegen die großen Anteilseigner wie die Familien Porsche und Piëch sowie das Land Niedersachsen durchzusetzen.

+++ Zahlreiche VW-Aktionäre haben das Eignertreffen verlassen +++
Das Interesse an der Hauptversammlung nimmt merklich ab. Am späten Nachmittag sitzen nur noch wenige Hunderte Aktionäre in Messehalle 3. Tausende haben das VW-Eignertreffen schon wieder verlassen.

+++ Governance-Experte sieht große Probleme +++
Christian Strenger ist in Deutschland so etwas wie der Grandseigneur für gute Unternehmensführung. Der frühere Chef der Deutsche-Bank-Investmenttochter DWS hat sich nicht nur bei Volkswagen, sondern bei vielen Unternehmen den Ruf als ehrbarer Streiter für eine saubere Corporate Governance erworben. Bei VW sieht er die größten Probleme bei Hans Dieter Pötsch, dem Aufsichtsratschef und früheren Finanzvorstand. Wegen einer möglichen Verstrickung in die Dieselaffäre sieht er bei ihm entscheidende Interessenkonflikte. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen den Aufsichtsratschef auch wegen des Verdachts auf Marktmanipulation. Für Christian Strenger gibt es nur eine Konsequenz: „Bis zur endgültigen Klärung der Verantwortlichkeit aus der Dieselaffäre bestünde zumindest begründeter Anlass, sein Amt ruhen zu lassen.“

+++ Rednerliste wird geschlossen +++
„Ich sehe mich dazu veranlasst, die Rednerliste um 16 Uhr zu schließen“, sagt Hans Dieter Pötsch. Wer eine Frage stellen möchte, solle sich jetzt noch ganz schnell auf die Rednerliste setzen lassen. Der Aufsichtsratschef setzt damit das nächste Mittel ein, um die Hauptversammlung rechtzeitig beenden zu können.

+++ Kleinaktionär muss schweigen +++
„Herr Klein, Sie reden jetzt schon mehr als acht Minuten. Wenn Sie nicht bald zum Ende kommen, werde ich das Mikrofon abschalten lassen." Doch der Kleinaktionär macht weiter, er hört nicht auf zu reden. Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch macht Ernst mit seiner Drohung, das Mikrofon wird tatsächlich abgeschaltet. „Herr Klein, bitte nehmen Sie wieder Platz.“ Aktionär Manfred Klein aus Saarbrücken bleibt nichts anderes übrig – er muss das Sprecherpodium räumen. Und auch beim nächsten Kleinaktionär ist Pötsch unerbittlich. Wieder wird nach Mikro nach acht Minuten abgestellt. So kommt der Chefaufseher seinem Ziel näher, die Hauptversammlung wirklich vor Mitternacht beenden zu können.

+++ Pötsch verkürzt die Redezeit +++

Die Rednerliste auf der VW-Hauptversammlung ist zu lang geworden. Die Aktionäre reden zu viel, Hans Dieter Pötsch muss das Aktionärstreffen auf jeden Fall vor Mitternacht beenden. Sonst würden alle Beschlüsse vom Mittwoch ungültig. Pötsch bedient sich deshalb kurz nach 15 Uhr eines bewährten Mittels: Die Redezeit wird für jeden Aktionär auf fünf Minuten begrenzt. Das soll dafür sorgen, dass die Hauptversammlung wirklich pünktlich zu Ende gehen kann. Pötsch weiß genau, was er tut: Auch im vergangenen Jahr hatte er die Beschränkung der Redezeit durchgedrückt. Kurz vor Mitternacht ging die Versammlung zu Ende.

+++ Hermes fordert Veröffentlichung von Jones-Day-Bericht +++
Der einflussreiche Aktionärsberater Hermes EOS appelliert an die Konzernspitze, in Absprache mit der US-Justiz zumindest eine Zusammenfassung der Ermittlungsergebnisse von Jones Day zu veröffentlichen. Nur so könne verlorenes Vertrauen zurückgewonnen werden. Die Anteilseigner könnten auch nur so bewerten, ob der Konzern die richtigen Konsequenzen aus der Abgasmanipulation ziehe, die vor gut eineinhalb Jahren von den US-Umweltbehörden öffentlich gemacht worden war. Hermes-Manager Hans-Christoph Hirt macht eine „fragwürdige Unternehmenskultur“ bei VW für Dieselgate verantwortlich und verlangte eine unabhängige Prüfung. „Wir haben große Bedenken hinsichtlich der Zusammensetzung und der Effektivität des Aufsichtsrats.“

+++ Deka lässt Volkswagen nicht vom Haken +++

Die Fondsgesellschaft Deka Investment wirft Volkswagen massive Versäumnisse bei der Aufklärung des Dieselskandals vor. Die Vorfälle im Zusammenhang mit der millionenfachen Manipulation von Abgaswerten und die Art, wie das Unternehmen damit umgehe, trügen nicht dazu bei, das Vertrauen wiederherzustellen, kritisiert Fondsmanager Andreas Thomae . Er bemängelte insbesondere, dass der Konzern die Untersuchungsergebnisse der US-Kanzlei Jones Day nicht veröffentlicht habe. „Dass die Ergebnisse immer noch unter Verschluss sind, lässt vermuten, dass sie VW nicht gefallen.“

Thomae forderte den Aufsichtsrat auf, Schadensersatzansprüche zu prüfen, sollte sich herausstellen, dass ehemalige Vorstände schon früher von den Manipulationen gewusst haben. „Herr Pötsch, das ist Ihre Pflicht und Ihre Verantwortung“, sagte der Fondsmanager an die Adresse von Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch. „Verspielen Sie unser Vertrauen nicht endgültig.“

+++ Pötsch gibt Kapitalpräsenz bekannt +++
Die Kapitalpräsenz auf der Hauptversammlung liegt bei 54,7 Prozent für alle ausgegeben Aktien. Bei den stimmberechtigten Stammaktien sind es sogar mehr als 90 Prozent.

+++ VW will Aktionäre mit Currywurst versöhnlich stimmen +++

Die VW-Currywurst stand am Mittwoch im Zentrum der Speisekarte: 2900 Currywürste aus der eigenen Metzgerei habe der Konzern für die Anteilseigner im Angebot, sagte ein VW-Sprecher. Jährlich stellt der Konzern mehrere Millionen Currywürste her. Dazu kämen für die Anteilseigner 4500 Bouillon-Würstchen und 1100 Krakauer, außerdem 12.000 Laugenbrezeln. Und auch Getränke sind da, nämlich 5600 Liter Kaltgetränke und 3400 Liter Kaffee.

+++ Müller verbreitet Optimismus +++
Der Konzernchef kündigt in Hannover den großen Wandel für den Konzern an. „Das Rad müssen wir nicht neu erfinden, alles andere schon“, sagt Müller. Volkswagen werden die anstehenden Veränderungen bewältigen können. „Im vergangenen Geschäftsjahr haben wir die Weichen gestellt für die größte Transformation in der Geschichte von Volkswagen.“ Es gibt Applaus aus den Reihen der Anteilseigner. Offensichtlich gibt es keine Zweifel daran, dass VW Digitalisierung und Batterieantrieb in den Griff bekommt.

+++ VW wird den Diesel nicht aufgeben +++
Trotz aller Hinwendung zum Elektroauto: Volkswagen will die Verbrennungsmotoren und speziell den Diesel nicht aufgeben. Die Verbrenner der neuesten Generation sind aus Sicht des Wolfsburger Konzerns auf absehbare Zeit unverzichtbar. „Sie sind sparsam und emissionsarm. Das gilt – allen lauten Diskussionen zum Trotz – auch und gerade für den Euro-6-Diesel“, sagte Müller auf der Hauptversammlung.

+++ Müller: Volkswagen will elektrisch werden +++
Volkswagen will in den kommenden Jahren zu einem durch und durch elektrisch geprägten Konzern werden. Das Unternehmen hat in den vergangenen fünf Jahren rund drei Milliarden Euro in alternative Antriebstechnologien investiert. Diese Summe wird in den nächsten fünf Jahren verdreifacht. „Allein bis Ende 2018 bringen wir so konzernweit mehr als zehn neue elektrifizierte Modelle auf den Markt. Bis 2025 kommen dann mehr als 30 rein batterieelektrische Fahrzeuge hinzu“, kündigt Konzernchef Matthias Müller auf der Hauptversammlung an.

+++ Müller: 4,7 Millionen Diesel umgerüstet +++
Volkswagen hat weltweit knapp die Hälfte der manipulierten Dieselmotoren aus dem Konzern umgerüstet. Insgesamt seien es bislang 4,7 Millionen Fahrzeuge, sagte Konzernchef Matthias Müller auf der Hauptversammlung. In Deutschland seien es 1,7 Millionen Autos.
Müller kündigte zudem an, dass Volkswagen im laufenden Jahr besser abschneiden will als im Vorjahr. 60 Modelle sollten 2017 auf den Markt kommen. „Auch deshalb sind wir trotz aller Herausforderungen zuversichtlich, dass 2017 noch besser wird als 2016“, sagte Müller.

+++ Vorstandschef zeigt sich zufrieden mit seiner Bilanz +++

+++ Müller: Erwarte weitere Konflikte mit dem Betriebsrat +++

„Dieser Weg ist anstrengend. Er verursacht Reibung. Und manchmal kracht es auch“, sagte Konzernchef Matthias Müller vor den Aktionären. Alle Beteiligten seien sich jedoch bewusst, was auf dem Spiel stehe. Die ersten Erfolge könnten an den guten Zahlen des ersten Quartals abgelesen werden. Die lange schwächelnde Hauptmarke VW hatte ihre Ertragskraft zu Jahresbeginn deutlich gesteigert. Müller strukturiert Volkswagen seit Bekanntwerden des Dieselskandals neu, um den Wolfsburger Konzern fit für die Elektromobilität, autonomes Fahren und neue Mobilitätsdienste zu machen.

+++ Pötsch: Kein Abschlussbericht von Jones Day +++
Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch machte vor den Aktionären erneut klar, dass die Ergebnisse der Ermittlungen von Jones Day nicht veröffentlichen werden: „Um es klar zu sagen: Einen schriftlichen Abschlussbericht von Jones Day gibt es nicht und es wird ihn auch nicht geben.“ Pötsch argumentierte damit, dass Volkswagen aus rechtlichen Gründen daran gehindert sei, einen solchen Bericht zu veröffentlichen.

+++ Pötsch: Dieselkrise ist noch nicht vorbei +++
Volkswagen hat zwar einen großen Teil der Dieselkrise hinter sich gelassen, doch erledigt ist die Affäre damit noch lange nicht. „Die Dieselkrise hat das Jahr 2016 noch maßgeblich geprägt“, sagt VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch.

+++ Deutlich weniger Aktionäre dabei +++

Für die Hauptversammlung haben sich etwa 5000 Aktionäre bei Volkswagen angemeldet. Das ist deutlich weniger als vor einem Jahr, als es noch rund 7000 waren. Der Hintergrund: Die Dieselaffäre verliert langsam ihren Schrecken, auch bei den Aktionären. Das Interesse an der Hauptversammlung nimmt ab, weil der Konzern langsam aus der Dauerkrise herauskommt.

+++ Hoher Aufwand für die Hauptversammlung +++
140 Lkw-Ladungen wurden nach Hannover gebracht, neun Aufbau- und vier Abbautage sind notwendig für die eintägige Veranstaltung. Für die IT wurden 10.000 Meter Kupfer- und Glasfaserkabel verlegt, dazu kommen 48.000 Meter Kabel für die Lichttechnik, 5500 Meter Strom-Hauptanschlusskabel, 1730 Scheinwerfer und 125 stationäre Displays.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " +++ Liveblog zur VW-Hauptversammlung +++: Management mit mehr als 99 Prozent der Stimmen entlastet"

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  • Ach die Anette, was hast Du blos für ein Problem?

  • @Herr Hofmann Mark, 10.05.2017, 14:37 Uhr

    Jedenfalls bin ich, im Gegensatz zu Ihnen, im Niveau nicht so tief gesunken, dass ich hier fremde Leute duze.

    Sowas ist bei uns normalerweise nur in Schule und Kindergarten üblich.

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