Mega-Fusion
EADS will Regierungen Vetorechte einräumen

Die geplante Fusion von EADS und BAE Systems soll europäischen Regierungen schmackhaft gemacht werden. Nun locken die Rüstungs- und Luftfahrtkonzerne offenbar mit „Goldenen Aktien“. Der Zusammenschluss gilt als komplex.
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Hamburg/BerlinDas Ringen um die Macht beim künftigen Rüstungsriesen geht weiter: Im Fall einer Fusion mit BAE Systems will der Flugzeugbauer und Rüstungskonzern EADS laut einem Zeitungsbericht den betroffenen Regierungen Vetorechte einräumen. Kein Aktionär, ob privat oder staatlich, dürfe mehr als 15 Prozent der Anteile an dem neuen Konzern halten, berichtet die „Financial Times Deutschland“ (Montag) unter Berufung auf Branchenkreise. Falls zum Beispiel eine Übernahme droht, sollen die Regierungen von Deutschland, Frankreich und Großbritannien Einspruch einlegen können. Ein solches Sonderrecht wird im Fachjargon als „Goldene Aktie“ bezeichnet.

Zudem müssten Vorstand und Verwaltungsrat mehrheitlich von EU-Bürgern besetzt sein, heißt es in dem Bericht mit Verweis auf die geplante Satzung des fusionierten Unternehmens. Damit soll den Regierungen die Zustimmung zu dem Mega-Deal erleichtert werden. EADS sei außerdem zu einer weitgehenden Arbeitsplatzgarantie für die deutschen Standorte bereit.

Die Pläne für eine Fusion, die vorzeitig durchsickerten, sind umstritten. Gerade wegen des sensiblen Rüstungsgeschäfts gilt das Vorhaben als höchst komplex. Auch die EU-Kommission als Kartellbehörde müsste erst ihre Genehmigung erteilen. Traditionell steht sie „Goldenen Aktien“ eher skeptisch gegenüber.

Die Bundesregierung hatte sich bisher zurückhaltend geäußert. Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ am Montag bei einer Pressekonferenz in Berlin das weitere Vorgehen Deutschlands erneut offen. „Wir diskutieren und wir bewerten das“, sagte die CDU-Vorsitzende. Beobachter rechnen mit einer Entscheidung in den kommenden Wochen oder sogar Tagen.

„Wir sind darüber natürlich auch mit anderen im Gespräch“, sagte Merkel mit Blick auf die deutsch-französische Kooperation bei EADS. Die deutschen Interessen bei dem Unternehmen nimmt bisher der Autobauer Daimler wahr, der seine Beteiligung aber weiter verringern will. Der französische Staat ist hingegen mit knapp 15 Prozent direkt an der Airbus-Mutter beteiligt. Die britische BEA Systems hat keine staatlichen Großaktionäre.

An der Börse war die EADS-Aktie nach Bekanntwerden des Vorhabens eingebrochen, am Montag erholte sich der Kurs jedoch bis zum Nachmittag um 1,37 Prozent auf 25,80 Euro.

Der erst seit dem 1. Juni amtierende deutsche EADS-Chef Tom Enders gilt als Triebfeder der Fusion. Der neue Konzern mit rund 75 Milliarden Euro Umsatz und mehr als 220 0000 Beschäftigten würde in der zivilen Luftfahrt und im Rüstungsgeschäft auf Augenhöhe mit dem US-amerikanischen Rivalen Boeing agieren. Wegen schrumpfender Verteidigungsetats steht die Rüstungsbranche derzeit vor Herausforderungen, daher rechnen Experten in den kommenden Jahren mit weiteren Zusammenschlüssen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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