100 Jahre DIN
Wie Normen den (Handels-)Alltag prägen

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„Normen sind ein strategisches Werkzeug“

Noch heute gebe es die meisten Normen in Maschinenbau und Elektrotechnik, sagt DIN-Chef Winterhalter. Dazu kämen viele im Bau, etwa für Statik. Zwar kostet die Nutzung von Normen die Wirtschaft Millionen. Doch Standards liefern einen großen Beitrag zum Wachstum: Etwa 0,8 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts oder rund 15 Milliarden Euro, zeigen Berechnungen der Technischen Universität Berlin.

Auch der globale Warenverkehr würde ohne Normen ausgebremst – etwa, weil Container aus Asien in Hamburg nicht auf deutsche Frachter oder Züge gehievt werden könnten. 147 Staaten weltweit unterstützen den dafür geltenden Standard. „Ohne Normen wäre der Welthandel in diesem Ausmaß nicht vorstellbar“, sagt Knut Blind, Experte für Standardisierung an der TU Berlin. Auch der Europäische Binnenmarkt könnte seine ökonomischen Vorteile ohne Normen nicht voll entfalten.

Doch hinter den spröden Standards stecken handfeste Interessen. Viele große Firmen nutzten Normen, um ihre Standards im Markt zu etablieren oder mit Verweis auf bestehende Normen auch staatlichen Regulierungen zuvorzukommen, sagt Blind. „Normen sind ein strategisches Werkzeug.“

Mit der Globalisierung schwindet indes die Zeit nationaler Vorschriften. Bereits 85 Prozent der hierzulande erarbeiteten Normen sind laut Winterhalter internationaler Natur und würden bei zwischenstaatlichen Organisationen wie der Genfer Internationalen Organisation für Normung (ISO) eingebracht.

Alles lässt sich aber nicht angleichen. So spüren Urlauber im Ausland, dass die Kabel ihrer Rasierer oder Föhns oft nicht in die Steckdose passen. „Manche Standards sind historisch gewachsen“, sagt Winterhalter. „Wenn Staaten an ihnen festhalten wollen, kann man sie natürlich nicht zwingen.“ Oft mache eine Angleichung auch wirtschaftlich keinen Sinn.

Künftig dürften aber Normen noch wichtiger werden, meint Professor Blind. Denn standen einst einzelne Produkte im Fokus, geht es nun um Vernetzung – etwa in der Industrie 4.0. „In der Digitalisierung sind Standards entscheidend, etwa bei Informations- und Kommunikationssystemen.“ Habe die Industrialisierung Normen groß gemacht, sei heute das Internet der Treiber, sagt Blind. „Da geht es um die Märkte der Zukunft.“

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Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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