100 Jahre nach Titanic: Der neue Größenwahn der Kreuzfahrtbranche

100 Jahre nach Titanic
Der neue Größenwahn der Kreuzfahrtbranche

Die Kreuzfahrt-Branche hat ein Rekordjahr hinter sich. Doch die Katastrophe der Costa Concordia ließ zuletzt die Zahl der Buchungen sinken. Trotzdem setzt die Branche weiter auf Riesenschiffe.
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ParisHundert Jahre nach dem Untergang der „Titanic“ schwankt die Kreuzfahrtbranche zwischen Euphorie und Pessimusmus: Rund 16 Millionen Passagiere zählten die Unternehmen der Branche im vergangenen Jahr weltweit - ein Rekord. Doch die Sorge der Veranstalter wächst, weil es nach dem Unglück der „Costa Concordia“ im Januar vor der italienischen Küste die Buchungen einbrechne. „Die Auswirkungen des Unfalls werden wir noch den Rest des Jahres spüren“, erklärt Howard Frank, Vorstand der Reederei Carnival. Bei Costa selbst seien die Buchungen kurz nach dem Unglück um 75 bis 80 Prozent eingebrochen, sagte Frank. Dennoch setzt die Kreuzfahrt-Branche weiter auf Zuwachs und baut gigantische Schiffe, die schwimmende Urlaubsstädte sind. 

Immerhin 13 neue Riesen-Schiffe vergrößerten die weltweite Kreuzfahrt-Flotte im vergangenen Jahr, vier von ihnen mit einer Kapazität von mindestens 2500 Passagieren. Etwa 15 weitere sollen in diesem Jahr dazukommen. Mitte März gab das Unternehmen MSC die Bestellung eines Schiffes von 333 Metern Länge bekannt, das Platz für 5700 Menschen bieten soll. Nur wenige Tage später kündigte Royal Caribbean International eine Bestellung für ein Schiff für 4200 Passagiere an. 

Diese „Gigantomanie“ beunruhigt diejenigen, die im Falle eines Unglücks den Kreuzfahrt-Passagieren zu Hilfe eilen sollen, also die Küstenwachen und auch die Kapitäne. Der Vorsitzende der französischen Kapitänsvereinigung Afcan, Jacques Loiseau, kritisierte unlängst, dass „bei einer solchen Größe selbst bei besten Bedingungen nie alle gerettet werden“ könnten. Die „Costa Concordia“, das Prunkstück der Reederei Costa Crociere, bot Platz für 4900 Menschen. Als sie auf einen Felsen auflief und kenterte, starben 32 Menschen. 

Nach dem Unglück startete die Branche eine Image-Kampagne. Nachdrücklich versichern die Reedereien, dass ein solcher Unfall äußerst selten sei und dass es bei Kreuzfahrten im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln wie Flugzeug oder Auto weit weniger Unfälle gebe. „Vor allem die Erst-Kreuzfahrturlauber“ - also diejenigen, die sich zum ersten Mal auf ein solches Schiff wagen - „müssen bei den Sicherheitsthemen beruhigt werden“, sagt der Frankreich-Chef von MSC Kreuzfahrten, Erminio Eschena. 

Völlig risikofrei ist eine Kreuzfahrt aber auch dann nicht, wenn an Bord alles nach Plan läuft und die Sicherheitsstandards eingehalten werden. Denn auch heute noch ist etwa die Kollision eines Schiffes mit einem Eisberg, wie dies bei der „Titanic“ der Fall war, keineswegs ausgeschlossen. Trotz technischen Fortschritts, trotz Radar und Satellit, bleibt das menschliche Auge laut Wissenschaftlern das wichtigste Hilfsmittel, um die eisigen Hindernisse zu entdecken. 

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„Es gibt immer noch Eisberge“

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