11.000 Stellen fallen weg
Energieriese Eon streicht fast jede siebte Stelle

Viele Dax-Konzerne legen zum Halbjahr Rekordzahlen vor. Doch die Energiekonzerne leiden unter dem Atomausstieg. Branchenführer Eon streicht nun massiv Stellen. Auch für Anleger hat der Konzern schlechte Nachrichten.
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DüsseldorfDeutschlands größter Energieversorger Eon ist im zweiten Quartal unter dem Strich erstmals seit dem Zusammenschluss von Veba und Viag vor elf Jahren in die roten Zahlen gerutscht und zwar mit 382 Millionen Euro. Und das ist bei weitem nicht die einzige schlechte Nachricht des Konzerns aus Düsseldorf. Bei der Vorlage der Halbjahreszahlen am Mittwoch kassierte er die Prognose für das Gesamtjahr. Statt mit einem bereinigten Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von bisher 10,7 bis 11,4 Milliarden Euro rechnet Eon jetzt nur noch mit 9,1 bis 9,8 Milliarden Euro. Das ist noch weniger als die von Analysten durchschnittlich erwarteten 10 Milliarden Euro. Die Prognose für den bereinigten Überschuss wurde von bisher 3,0 bis 3,7 Milliarden Euro auf jetzt 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro reduziert.

Das Dividendenziel für 2011 hat der Konzern wie von Experten prophezeit auf 1,00 Euro gesenkt, für 2012 auf 1,10 Euro. Eon hatte bisher für beide Jahre mindestens je 1,30 Euro garantiert; das war allerdings vor der Atomkatastrophe in Japan.

Die schlechte Entwicklung hat massive Folgen für die Arbeitnehmer: Eon prüft, weltweit bis zu 11.000 Stellen zu streichen, vor allem im Verwaltungsbereich. Das Düsseldorfer Unternehmen beschäftigt insgesamt noch rund 79.000 Mitarbeiter. Die Überlegungen sollen in den kommenden Wochen konkretisiert werden, die Entscheidungen im Aufsichtsrat im Herbst fallen. Betriebsbedingte Kündigungen schließt Eon explizit nicht aus. Auf Grund einer Betriebsvereinbarung können diese aber frühestens 2013 erfolgen.

Auch Deutschland dürfte betroffen sein: „In den letzten Jahren ist es trotz zahlreicher Anstrengungen nicht gelungen, unsere Verwaltung zu vereinfachen. Wir müssen aber einfachere, transparentere und weniger kostenintensive Strukturen schaffen, wenn wir künftig am Markt bestehen wollen. Wir können uns, nicht nur, aber vor allem in Deutschland keine unnötigen Führungsebenen, Abläufe und Doppelarbeit leisten“, erklärte Teyssen in einer Mitteilung des Konzerns. Der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zufolge soll der Abbau zu 60 Prozent in Deutschland erfolgen.

Schon zuvor war bekannt geworden, dass Eon erwägt, drei Standorte in Hannover, Essen und München zu schließen. Dabei haben die Ruhrgas-Mitarbeiter erst im vergangenen Oktober eine luxuriöse neue Zentrale in Essen für 200 Millionen Euro bezogen. Die Düsseldorfer wollen die Konzernkosten bis spätestens 2015 um 1,5 Milliarden Euro pro Jahr senken.

Damit schwenkt Eon nach der Atomwende der Bundesregierung auf einen harten Sparkurs ein. Die notwendigen Einsparungen ließen sich durch die Verringerung der Sachkosten allein nicht erreichen, teilte der größte deutsche Versorger mit. Den Konzern drücken Schulden von 33,6 Milliarden Euro.

Kommentare zu " 11.000 Stellen fallen weg: Energieriese Eon streicht fast jede siebte Stelle"

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  • Keine Panik, die grünen "Fachleute" werden das schon richtgen. Was sind schon 11.000 Arbeitslose mehr, wenn man doch so gerne auch Bio-Kraftstoff und Bio-Lebensmittel proklamiert.

    Und das, obwohl man damit in den III. Ländern damit auch noch die letzten Ressourcen der einheimischen Bevölkerung raubt.

  • @ Without_Horizon

    Ihre gestelzten , lieben Betriebsratsformulierungen können Sie sich gern sparen,
    Pro Kraftwerk 1 Mio entgangener Gewinn scheint Sie
    nicht zu interessieren.

  • Das was ThyssenKrupp macht, ist sogar Kinderkacke!

    Schau mal hier:

    http://www.pressrelations.de/new/standard/result_main.cfm?pfach=1&n_firmanr_=116928&sektor=pm&detail=1&r=462154&sid=&aktion=jour_pm&quelle=0


    Und es ist natürlich so, dass ThyssenKrupp mehr Energie verbraucht, als es selbst produziert.
    Man braucht schon etwas Hirnschmalz als ein Idiot, um zu verstehen was ThyssenKrupp da macht:

    Aus den Abgasen wird Strom gewonnen und sofort in die Produktion umgeleitet, so dass weniger Strom eingekauft werden muss. Allerdings produziert kein Stahlunternehmen gleichmäßig viel, so dass z.B. während der Spätschicht viele Abgase entstanden sind, die Stahlprodutkion aber nach der Spätschicht praktisch zum erliegen kommt.
    Entsprechend wird dann der erzeugte Strom weiter verkauft.


    Und was jetzt kommt, dazu muss man wirklich vom Stromhandel was verstanden haben!

    Es gibt Zeiten, da ist es für Industrieunternehmen viel profitabler selbst erzeugten Strom am Spotmarkt zu verkaufen, anstatt es selbst zu verbauchen.
    Das ist deswegen so, weil die Industrieunternehmen ihren Strom größtenteils über Futures beziehen (aktuell 55 €/MWh), der Spotpreis aber bei zu über 100 €/MWh liegen kann.
    Entsprechend kann am Tag der selbst erzeugte Strom am Spotmarkt teuer verkauft werden, während man die Futures in Anspruch nimmt, um dann während der Spätschicht den Strom wieder am Spotmarkt zu kaufen, weil der Strom abends immer sehr günstig ist.


    Also Rollmopps - mach dich nicht lächerlich.

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