11.000 Stellen fallen weg

Energieriese Eon streicht fast jede siebte Stelle

Viele Dax-Konzerne legen zum Halbjahr Rekordzahlen vor. Doch die Energiekonzerne leiden unter dem Atomausstieg. Branchenführer Eon streicht nun massiv Stellen. Auch für Anleger hat der Konzern schlechte Nachrichten.
Update: 10.08.2011 - 11:53 Uhr 26 Kommentare
Baustellenschild vor der Zentrale der Eon-Tochter Ruhrgas: Der Energieversorger will bis zu 11.000 Stellen streichen. Quelle: dpa

Baustellenschild vor der Zentrale der Eon-Tochter Ruhrgas: Der Energieversorger will bis zu 11.000 Stellen streichen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDeutschlands größter Energieversorger Eon ist im zweiten Quartal unter dem Strich erstmals seit dem Zusammenschluss von Veba und Viag vor elf Jahren in die roten Zahlen gerutscht und zwar mit 382 Millionen Euro. Und das ist bei weitem nicht die einzige schlechte Nachricht des Konzerns aus Düsseldorf. Bei der Vorlage der Halbjahreszahlen am Mittwoch kassierte er die Prognose für das Gesamtjahr. Statt mit einem bereinigten Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von bisher 10,7 bis 11,4 Milliarden Euro rechnet Eon jetzt nur noch mit 9,1 bis 9,8 Milliarden Euro. Das ist noch weniger als die von Analysten durchschnittlich erwarteten 10 Milliarden Euro. Die Prognose für den bereinigten Überschuss wurde von bisher 3,0 bis 3,7 Milliarden Euro auf jetzt 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro reduziert.

Das Dividendenziel für 2011 hat der Konzern wie von Experten prophezeit auf 1,00 Euro gesenkt, für 2012 auf 1,10 Euro. Eon hatte bisher für beide Jahre mindestens je 1,30 Euro garantiert; das war allerdings vor der Atomkatastrophe in Japan.

Die schlechte Entwicklung hat massive Folgen für die Arbeitnehmer: Eon prüft, weltweit bis zu 11.000 Stellen zu streichen, vor allem im Verwaltungsbereich. Das Düsseldorfer Unternehmen beschäftigt insgesamt noch rund 79.000 Mitarbeiter. Die Überlegungen sollen in den kommenden Wochen konkretisiert werden, die Entscheidungen im Aufsichtsrat im Herbst fallen. Betriebsbedingte Kündigungen schließt Eon explizit nicht aus. Auf Grund einer Betriebsvereinbarung können diese aber frühestens 2013 erfolgen.

Auch Deutschland dürfte betroffen sein: „In den letzten Jahren ist es trotz zahlreicher Anstrengungen nicht gelungen, unsere Verwaltung zu vereinfachen. Wir müssen aber einfachere, transparentere und weniger kostenintensive Strukturen schaffen, wenn wir künftig am Markt bestehen wollen. Wir können uns, nicht nur, aber vor allem in Deutschland keine unnötigen Führungsebenen, Abläufe und Doppelarbeit leisten“, erklärte Teyssen in einer Mitteilung des Konzerns. Der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zufolge soll der Abbau zu 60 Prozent in Deutschland erfolgen.

Schon zuvor war bekannt geworden, dass Eon erwägt, drei Standorte in Hannover, Essen und München zu schließen. Dabei haben die Ruhrgas-Mitarbeiter erst im vergangenen Oktober eine luxuriöse neue Zentrale in Essen für 200 Millionen Euro bezogen. Die Düsseldorfer wollen die Konzernkosten bis spätestens 2015 um 1,5 Milliarden Euro pro Jahr senken.

Damit schwenkt Eon nach der Atomwende der Bundesregierung auf einen harten Sparkurs ein. Die notwendigen Einsparungen ließen sich durch die Verringerung der Sachkosten allein nicht erreichen, teilte der größte deutsche Versorger mit. Den Konzern drücken Schulden von 33,6 Milliarden Euro.

Nutzt Eon-Chef Teyssen die Gunst der Stunde?
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26 Kommentare zu "11.000 Stellen fallen weg: Energieriese Eon streicht fast jede siebte Stelle"

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  • Keine Panik, die grünen "Fachleute" werden das schon richtgen. Was sind schon 11.000 Arbeitslose mehr, wenn man doch so gerne auch Bio-Kraftstoff und Bio-Lebensmittel proklamiert.

    Und das, obwohl man damit in den III. Ländern damit auch noch die letzten Ressourcen der einheimischen Bevölkerung raubt.

  • @ Without_Horizon

    Ihre gestelzten , lieben Betriebsratsformulierungen können Sie sich gern sparen,
    Pro Kraftwerk 1 Mio entgangener Gewinn scheint Sie
    nicht zu interessieren.

  • Das was ThyssenKrupp macht, ist sogar Kinderkacke!

    Schau mal hier:

    http://www.pressrelations.de/new/standard/result_main.cfm?pfach=1&n_firmanr_=116928&sektor=pm&detail=1&r=462154&sid=&aktion=jour_pm&quelle=0


    Und es ist natürlich so, dass ThyssenKrupp mehr Energie verbraucht, als es selbst produziert.
    Man braucht schon etwas Hirnschmalz als ein Idiot, um zu verstehen was ThyssenKrupp da macht:

    Aus den Abgasen wird Strom gewonnen und sofort in die Produktion umgeleitet, so dass weniger Strom eingekauft werden muss. Allerdings produziert kein Stahlunternehmen gleichmäßig viel, so dass z.B. während der Spätschicht viele Abgase entstanden sind, die Stahlprodutkion aber nach der Spätschicht praktisch zum erliegen kommt.
    Entsprechend wird dann der erzeugte Strom weiter verkauft.


    Und was jetzt kommt, dazu muss man wirklich vom Stromhandel was verstanden haben!

    Es gibt Zeiten, da ist es für Industrieunternehmen viel profitabler selbst erzeugten Strom am Spotmarkt zu verkaufen, anstatt es selbst zu verbauchen.
    Das ist deswegen so, weil die Industrieunternehmen ihren Strom größtenteils über Futures beziehen (aktuell 55 €/MWh), der Spotpreis aber bei zu über 100 €/MWh liegen kann.
    Entsprechend kann am Tag der selbst erzeugte Strom am Spotmarkt teuer verkauft werden, während man die Futures in Anspruch nimmt, um dann während der Spätschicht den Strom wieder am Spotmarkt zu kaufen, weil der Strom abends immer sehr günstig ist.


    Also Rollmopps - mach dich nicht lächerlich.

  • Hab ich das richtig verstanden?
    "ThyssenKrupp produziert Strom aus "Abfallgasen" der Stahlproduktion und sogar noch Strom über, was weiter verkauft werden kann!"

    Endlich hat einer das Perpetuummobile erfunden. Die machen ihren eigenen Strom während sie ihn verbrauchen und können sogar noch etwas davon verkaufen. Das ist nicht nur ein Perpetuummobile, sondern schon eine höhere Stufe. Es würde sich nur selbst antreiben. Hier ist sogar Überschuss vorhanden. Mann oh Mann, was tummelt sich hier denn so rum? Deutschland ist voll mit Experten. Eine ist sogar Oberexpertin, die angeblich einen Dr. in Physik gemacht haben soll. Die setzt mit ihren schlauen Ideen zur zukünftigen Energieversorgung eines Industriestandortes auch ständig die Physik außer Kraft. Ich will nur noch weg hier.

  • Stadtwerke sind noch schlechter. Lauter Prunkbauten in besten Innenstadtlagen, dafür komplett teure Stromtarife und in keinem Fall Konkurrenzfähig mit Stromanbietern im Internet. Immerhin sind Stadtwerke die Versorger und somit technischer Dienstleister auch wenn man den Anbieter gewechselt hat. Ich würde nichts im Energiesektor Aktien kaufen, sonder eher Indexe wie den MDAX oder DAX z. B.

  • @ XRay
    Zitat: "Ich habe selten einen so dümmlichen Kommentar wie Ihren gelesen,"

    Danke, Sie nehmen mir bei Ihrem Kommentar das Wort aus dem Munde.

    1. Man kann AKW´s nicht einfach "stillegen"! Die Mitarbeiter dort werden noch mindestens 20 jahre zu tun haben mit herunterfahren und Abbauen ect.

    2. Es wurden nur 8 AKW´s (die 7 Alten und der Pannenmeiler Krümmel) derzeit für immer vom Netz genommen - die anderen beiden befinden sich in der Revision (das ist normal)

    3. Der Atomausstieg kam NICHT plötzlich. Spätestens seit im Jahre 2000 beschlossenen Atomgesetz stand fest das Deutschland aus der Atomenergie aussteigen wird. Auch der Zeitraum stand sozusagen Fest - letzte Abschaltung ca. 2028 (je nach dem, wie oft man die AKW´s vom Netz nimmt - aber das ist ne andere Sache)
    Was wurde dafür getan von 2000 bis 2009? Nix, außer die CDU/FDP unterstützt mit Spendengeldern um die Laufzeitverlängerung durch zu setzen. Stromnetze erneuert? - Nein, in Regenerative Energien investiert? - Nein ect. pp
    Nach dem Ausstieg vom Ausstieg im Jahre 2009/2010 durch die CDU/FDP wäre das noch bis 2028 (1. Abschaltdatum nach dem Beschluss) so weitergegangen und dann hätten die Konzerne wieder genauso gejammert wie jetzt um eine nochmalige Verlängerung zu erwirken...usw, usw.

    und @ hans21
    Nicht die Grünen haben den Ausstieg vom Ausstieg zurückgenommen und die Zeiten sogar noch heruntergesetzt zum Beschluss von 2000, sondern CDU/FDP^^
    Ich weiß ja nicht wie Sie hier immer auf die Grünen kommen...auf alle Fälle entspricht Ihre Aussage in diesem Fall nicht der Wahrheit. Aber ich weiß - als FDP oder CDU Mitglied macht sich das schimpfen auf die anderen immer gut - selbst wenn sie mal nix dafür können^^

  • Lieber X-Ray,

    sie haben leider das o.g. Prinzip nicht verstanden. Nicht nur Ihre Interpunktion lässt zu wünschen übrig, auch inhaltlich ist Ihre Aussage mit einer leeren Flasche zu vergleichen. Bitte beurteilen Sie nicht meine Gesinnung sondern den Inhalt der Sache - auch wenn es schwer fallen mag.

    Fakt ist von 79.000 MA arbeiten 2.500 für die Kernkraft bei E.ON - damit ist ihre Aussage mit einem Satz hinfällig.

    Hätten Sie aufmerksam nach meinem Pro-Kernkraft-Statement weitergelesen, wäre Ihnen aufgefallen, dass ich in meinem ersten Kommentar davon sprach, dass gerade nicht nur der Atomausstieg schuld an der möglichen Stellenstreichung in Höhe von 11.000 MA ist.

    Das Sie inhaltlich das Thema der Energieerzeugung nicht durchdringen - ist nach Ihrer Äußerung nachvollziehbar.

    Aber bitte bedenken Sie, dass ein abgeschaltetes Kernkraftwerk nicht in der gleichen Weise abgeschaltet ist wie Ihr Fernseher.



    Lieber Matse,

    ich teile Ihre Meinung uneingeschränkt. Analysten braucht man nicht - nur ein Hirn zwischen den beiden Ohren :) Was Sie sagen trifft es auf den Punkt. Die Dividende ist vernachlässigbar - der Kurs der Aktie ist entscheidender. Daher würde ich von jedem Versorger die Finger lassen - was wir gesehen haben ist sicherlich noch nicht der Boden. Leider gibt es keine Aktien von Stadtwerken ;)

  • Hier mal ein Hinweis was "Innovation" bedeutet - ThyssenKupp produziert Strom aus "Abfallgasen" der Stahlproduktion und sogar noch Strom über, was weiter verkauft werden kann!

    http://strom.idealo.de/news/7893-energiewende-geraet-industrie-durch-strompreise-unter-druck/

    Da wird ThyssenKrupp wohl kaum den Standort Deutschland verlassen - und das als Stahlproduzent. Das sagt doch wohl alles.


    Und wenn Bayer gehen will - bitte schön! Die gut ausgebildeten jungen Fachkräfte werden einem Unternehmen, das unter Innovation nur "Lobbyarbeit" versteht, sicher nicht ins Ausland nachkommen. Damit ist dann auch die Zukunft von Bayer geklärt. Ja, so schnell kann Unternehmenspolitik analysiert werden.

  • Die großen Energiekonzerne hatten gut 15 Jahre Zeit sich um Innovationen zu kümmern - herausgekommen ist:

    marode Stromleitungen
    viel zu hohe Strompreise
    desaströse Energiepolitik


    Dass die Stromkonzerne jetzt im großen Stil entlassen, das musste kommen. Denn es werden Leute entlassen, die 15 Jahre lang den Bürostuhl druchgefurzt und bei der Stromrechnung wuchermäßig abkassiert haben.


    Und der ganze Pöbel kann sich von mir aus die Finger wund schreiben, aber folgende beiden Fakten sich nicht weg zu diskutieren:

    der Strompreis erreichte sein Hoch Mitte 2008 mit unglaublichen 90 €/MWh

    http://www.eex.com/de/Marktdaten/Handelsdaten/Strom/Phelix%20Futures%20|%20Terminmarkt/Phelix%20Futures%20Chart%20|%20Terminmarkt/futures-chart/F1BY/2012.01/2011-01-19/a/-/0/0/-


    damals waren noch sämtliche Kernkraftwerke am Netz und trotzdem gab es eine zerstörerische Preisexplosion.

    Wo waren denn damals RWE, E.On, Vattenfall und EnBW ??????
    Die haben damals kräftig abkassiert - die deutsche Industrie ging denen am Arsch vorbei, und die deutsche Industrie geht denen am Arsch vorbei und wird immer am Arsch vorbei gehen, solange dieses Parasitenpack alles und jeden abzocken kann!


    Jetzt liegt der Strompreis - der für die deutsche Industrie relevant ist - bei 56 €/MWh. Dieser Preis liegt im 6-jährigen Mittel und die deutsche Industrie ist bekanntlich insbesondere in den letzten 6 Jahren ausserordentlich konkurrenzfähig geworden...


    Sollte der Strompreis auf 50 €/MWh fallen, dann wären es inflationsbereinigt 40 €/MWh (in Preisen von 2006) und damit wäre der Strompreis sogar im 10 jährigen inflationsbereinigten Mittel.


    Jetzt ist dann auch klar, wieso die Gewinne der großen Abzocker wegbrechen. Nicht (nur) etwa weil Atommeiler stillgelegt wurden, sondern weil die Erneuerbaren den Strom zu tief nach unten gedrückt haben, und Wirtschaftskriminellen von RWE, E.On und Co. die Preise nicht mehr absprechen können.

  • @Event_Horizon
    Ich habe selten einen so dümmlichen Kommentar wie Ihren
    gelesen,
    Sie glauben doch wohl nicht, wenn plötzlich 10 Kernkraftwerke abgeschaltet sind, die Angestellten dann
    für nichtstun ihr Gehalt bis zur Rente beziehen,
    das Gleiche gilt für alle Zulieferer.
    Es kommen keine Gewinne rein, sondern es wird das Geld ausgegeben für Ausländischen Atomstrom.

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