115 Tochterunternehmen
Bei Möbelbauer Schieder drohen Dutzende Insolvenzen

Nach dem Scheitern der Gespräche zur Rettung des insolventen Möbelriesen Schieder rechnen IG Metall und Insolvenzgericht mit einer Flut von Insolvenzanträgen.

dpa-afx SCHIEDER-SCHWALENBERG. Zwischen 55 und 80 Insolvenzanträge der 115 Schieder-Töchter seien von der kommenden Woche an zu erwarten, sagte der Detmolder Insolvenzrichter Klaus-Peter Busch am Freitag. Mit "mindestens 50" rechnet der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Detmold, Reinhard Seiler. Produktion und Vertriebe in Deutschland seien in jedem Fall betroffen. Am Donnerstag war das Scheitern der Verhandlungen bekannt geworden. Schieder mit Sitz im lippischen Schieder-Schwalenberg beschäftigt insgesamt 11 000 Mitarbeiter.

Seiler bestätigte erneut, alle Arbeitsplätze seien gefährdet: "Ich muss erst einmal vom Schlimmsten ausgehen." Alle Versprechungen hätten sich als falsch erwiesen, sagte er mit Blick auf die unerfüllten Hoffnungen, die die Verhandlungen mit den Investoren ausgelöst hatten. In Deutschland beschäftigt der größte Möbelhersteller Europas rund 1 300 Mitarbeiter. Am vergangenen Freitag hatte die Holding Insolvenz angemeldet.

Interims-Geschäftsführer Ulrich Wlecke hatte angekündigt, einige Investoren seien weiterhin daran interessiert, Teile von Schieder zu übernehmen - nach der Insolvenz und ohne Haftungsrisiko trotz der millionenschweren Bilanzfälschungen des Ex-Managements. Vier frühere Manager, darunter Schieder-Gründer Rolf Demuth, sollen die Bilanzen der vergangenen beiden Geschäftsjahre um jeweils 34 Mill. Euro geschönt und Kredite über 283 Mill. Euro erschlichen haben. Sie sitzen in Untersuchungshaft. Seiler kritisierte, die Geschäftsführung nenne keine Namen von Investoren oder deren Bedingungen.

Nicht betroffen von der Insolvenz seien die Töchter in Liechtenstein, der Schweiz, Italien und Bosnien-Herzegowina, sagte Wlecke. Nach Buschs Angaben sollten die Insolvenzverfahren möglichst konzentriert werden, allerdings gebe es für die polnischen Werke "hier erst einmal keine Zuständigkeit". Der Kreis Lippe hatte für die kommende Woche einen runden Tisch mit Politik, Verwaltung und Arbeitsmarktexperten angekündigt. Ziel sei eine Transfergesellschaft.

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