115000 PS und jede Menge Tradition
Rudolf, MAN und der innere Antrieb

Vor 111 Jahren erfand Rudolf Diesel seinen berühmten Motor. Mit diesem Geniestreich aus dem 19. Jahrhundert dominiert MAN bis heute das Geschäft mit Schiffsmotoren. In Augsburg, wo der geniale Ingenieur Ende des 19 Jahrhunderts wirkte, sichert sein Erbe noch heute 3000 Arbeitsplätze. Eine Spurensuche.

AUGSBURG. Das Glück eines Menschen entscheidet sich im Moment seines Todes, sagt der Volksmund. Demnach war das Leben von Rudolf Diesel eine Tragödie: Am Abend des 29. September 1913 verschwand der 55-jährige Ehemann und Vater dreier Kinder im Ärmelkanal. Trotz ruhiger See stürzte der Passagier bei der Überfahrt von Holland nach England über die Reling ins Wasser.

Die Besatzung eines niederländischen Lotsenbootes fand die Leiche, konnte sie aber nicht bergen. Die Seeleute fischten zumindest einige Kleidungsstücke auf, bargen darin Portemonnaie, Taschenmesser, Brillenetui und Pillendose des Ingenieurs.

Nur ein Unfall? Selbstmord? Oder sogar Mord? Bis heute sind die genauen Umstände von Rudolf Diesels Tod ungeklärt. „Es bleibt ein Mysterium, aber vieles spricht für Suizid“, sagt Gabriele Mierzwa, die im Werksmuseum von MAN Diesel in Augsburg genauestens über das Erbe Rudolf Diesels wacht.

Je größer der Motor, desto attraktiver

Das gehört sich auch so. Schließlich verdankt die „Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG“ – Deutschlands ältester Industriekonzern begeht in diesem Jahr seinen 250. Geburtstag – dem genialen Ingenieur mit dem tragischen Abgang viel, sehr viel. MAN baut vor allem Nutzfahrzeuge und Motoren. Ohne Diesels Erfindung wäre das heute wohl ein undenkbares Geschäft.

Je größer der Motor, desto attraktiver – und lukrativer – ist das Geschäft mit der Dieseltechnik. Das wird MAN Diesel in Augsburg heute wieder beweisen, wenn die Konzerntochter ihr Jahresergebnis 2007 vorlegt. Das Dieselgeschäft ist eine Profitperle des Münchener Konzerns, an dem Volkswagen fast 30 Prozent hält. Bei einem Umsatz von gut 2,2 Milliarden Euro erwirtschafteten die Augsburger im Jahr 2007 ein operatives Ergebnis von 313 Millionen Euro – und kamen damit auf eine Umsatzrendite von 14,4 Prozent. Insgesamt erreicht MAN lediglich 11,2 Prozent.

Gerade im Geschäft mit Großmotoren mit bis zu 115 000 PS, die von der Rheinfähre bis zu den größten Containerschiffen der Welt alles antreiben, ist Rudolf Diesels 111 Jahre alter Geniestreich nicht mehr wegzudenken. Selbst Kraftwerke treibt er an. Das Erstaunliche: „Im Grunde hat sich am Prinzip nichts geändert“, sagt Georg Pachta-Reyhofen, Chef von MAN Diesel. „Unsere Motoren arbeiten noch heute so wie zu Rudolf Diesels Zeiten.“ Stark verbessert hat sich nur die Präzision des Verbrennungsprozesses, Turbo-Aufladung, elektronische Einspritzung und Common Rail sparen Sprit und senken die Emission von CO2.

MAN Diesel profitiert davon, dass ein Großteil des Welthandels übers Meer abgewickelt wird. Etwa 70 Prozent aller Waren werden per Schiff transportiert – Tendenz steigend, nicht zuletzt dank des Wirtschaftsbooms in China. Die Hälfte aller Containerfrachten wiederum wird von Motoren der Marke MAN oder Lizenzbauten bewegt, die auf Diesels Erfindung basieren.

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