125 Jahre
Coca Cola ist die verflüssigte Seele Amerikas

Heute vor 125 Jahren stand Coca Cola zum ersten Mal in einem Laden. Über Jahrzehnte ist die Brause zum Inbegriff eines westlichen Lebensstils geworden. Der aber ändert sich – die Gefahren erfolgreichen Marketings.
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Er ist der erfolgreichste Apotheker der Weltgeschichte. Sein Name aber ist weitgehend unbekannt: John S. Pemberton. Am 8. Mai vor 125 Jahren mixte er einen Sirup, dessen Rezept bis heute geheim ist. Nur so viel ist klar: Zucker war reichlich drin, auch Karamell – und Extrakte aus der Coca-Pflanze und der Cola-Nuss. Den Namen des damit zusammengebrauten Produkts aber hat auf Erden jeder schon einmal gehört: Coca-Cola. Und das nicht nur, weil die klebrige Flüssigkeit eigentlich ganz gut schmeckt.

Überspitzt ausgedrückt ist Coca-Cola kein Limonadenhersteller, jedenfalls nicht in erster Linie, sondern eine gigantische Marketing-Maschine, die enorme Erfolge vorzuweisen hat: Coca-Cola hat nicht nur den Archetyp des Weihnachtsmanns im kollektiven Gedächtnis der Christenheit verändert, sondern es auch geschafft, die schwarze Brause zu einem weltpolitischen Symbol zu stilisieren.

Die Rezepte dafür sind keineswegs geheim: Schon in den ersten Jahren bemühte sich das Unternehmen um einen einheitlichen Auftritt, beispielsweise mit der kultigen, einer Tiffany-Vase nachempfundenen Flasche. Der Konzern setzte zudem auf Sport, Spiel und Spaß und auf Gemeinsamkeit – in legendären Kampagnen mit stets einfachen Botschaften: „Come together“ etwa oder „Mach mal Pause“.

Coca-Cola war schon früh ein Lebensgefühl, ein Synonym für Lockerheit und Freiheit, und zunehmend auch für den „american way of life“. Die Bande zwischen der Brause und ihrem Herkunftsland wurde immer enger, beispielsweise als der damalige US-Präsident Robert Woodruff verfügte, dass jeder Mann in US-Uniform eine Coca-Cola für fünf Cent bekommt, „wo auch immer er sich befindet, und was immer es kostet“. Über die Jahrzehnte wurde Coca-Cola so zu dem, was es noch heute ist: das Blut Amerikas, die verflüssigte Seele einer Nation. Es ist das Getränk des amerikanischen Jahrhunderts und seiner Werte. Kein anderes Produkt steht so eindeutig für Freiheit und Kapitalismus wie die Brause aus Atlanta.

Für die kommunistische Welt war der Softdrink deshalb ein kontrarevolutionäres Statement. Doch die Sehnsucht der Menschen im Ostblock nach dem Produkt des Westens und nach allem, wofür es steht, sie war stärker als jede Ideologie. In der DDR etwa versuchte die SED ein Nachahmerprodukt zu etablieren: Club-Cola wurde ab 1967 im Getränkekombinat Berlin abgefüllt. An den Mythos des „Originals“ des „real thing“, auch das übrigens ein Werbeslogan aus Atlanta, kam das real-existierende sozialistische Erfrischungsgetränk nie heran. In Nordkorea, Myanmar sowie auf Kuba wird Coca-Cola bis heute offiziell nicht verkauft.

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