1800 Entlassungen und Streik
Konflikt bei VW in Brasilien hat sich zugespitzt

Nur einen Tag nach einem Treffen mit Regierungsvertretern schickte die Führung des deutschen Autoherstellers am Dienstag (Ortszeit) ungeachtet des Drucks aus Brasilia die ersten 1800 „blauen Briefe“ für Mitarbeiter der Fabrik in Sao Bernardo im Land Sao Paulo. Die Arbeiter des größten der fünf VW-Werke in Brasilien traten daraufhin aus Protest ab der Abendschicht in einen unbefristeten Streik.

HB BRASILIEN. Die Arbeitsniederlegung sei am Dienstag auf einer Versammlung von 10 000 der insgesamt rund 12 400 Arbeiter und Angestellte der Fabrik beschlossen und am Mittwoch vom Rest der Belegschaft bestätigt worden, erklärten Gewerkschaftsführer. Die Entlassungen sollen den Angaben zufolge am 21. November wirksam werden.

Im Mai hatte VW do Brasil bekannt gegeben, dass im Rahmen der Umstrukturierung rund 6000 der insgesamt 22 000 Stellen in den fünf Werken im südamerikanischen Land gestrichen werden sollen. Allein in Sao Bernardo sollen rund 3600 der 12 400 Arbeitsplätze dem Rotstift zum Opfer fallen. Das 1959 gegründete Werk in Sao Bernardo ist die größte und älteste VW-Produktionsanlage in Brasilien. Dort laufen täglich knapp 950 Fahrzeuge vom Band.

Erst am Montag hatte die Regierung in Brasilia den Druck auf Volkswagen durch die vorläufige Einstellung der Vergabe staatlicher Kredite erhöht. VW solle zunächst für eine Lösung des Konflikts sorgen, sagten Arbeitsminister Luiz Marinho und der Präsident der staatlichen „Nationalbank für Wirtschaftliche und Soziale Entwicklung“ (BNDES), Demian Fiocca.

Man werde die Freigabe eines bereits zugesagten Kredits in Höhe von 497 Millionen Real (etwa 185 Mio Euro) vom Ausgang der Verhandlungen zwischen der Firmenspitze und den Gewerkschaften abhängig machen. Allein seit 2003 erhielt VW von der BNDES Kredite in Höhe von insgesamt rund 2,2 Mrd Euro. VW will in Brasilien bis 2008 rund 6000 Stellen streichen, Arbeitsvergünstigungen kürzen und möglicherweise auch eine der fünf Fabriken schließen. „Unser Mutterhaus in Deutschland meint, dass wir hier in Brasilien eine Fabrik zu viel haben“, sagte im Mai der Präsident der VW-Tochter, Hans-Christian Maergner.

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