2005 wird vor allem auf Auslandsnachfrage gesetzt
Chemieindustrie setzt auf Wachstum

Die deutsche Chemieindustrie erwartet trotz anhaltend hoher Ölpreise und insgesamt schwacher Konjunktur 2005 mehr Wachstum als im Vorjahr.

HB FRANKFURT. „Neben den Impulsen durch das Geschäft mit Kunden im Ausland erwarten wir eine leicht anziehende Inlandsnachfrage“, sagte der Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Jürgen Hambrecht, am Donnerstag in Frankfurt. Die Branche gehe für 2005 weiterhin von einem Umsatzanstieg um 4,5 % und einem Produktionsplus von zwei bis 2,5 % aus. Bei den Preisen für chemische Erzeugnisse rechne die Branche wie bisher mit einem Anstieg von drei Prozent in diesem Jahr. Allerdings werde befürchtet, die Erholung der Branchenkonjunktur werde nach einem starken zweiten Halbjahr 2004 im Verlauf weiter abflauen.

Die Chemie gilt als frühzyklische Industrie, die Veränderungen des Konjunkturklimas vor anderen Industriezweigen zu spüren bekommt. Sie beliefert praktisch alle Branchen mit ihren Produkten. Der Aufschwung in der Chemieindustrie hatte Ende 2003 eingesetzt. Die meisten Experten gehen derzeit davon aus, dass in der Basischemie der Höhepunkt im Konjunkturzyklus im nächsten oder übernächsten Jahr erreicht wird.

Im ersten Halbjahr nahm die Produktion chemischer Erzeugnisse laut VCI um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu. Der Branchenumsatz stieg um 7,5 % auf 75,6 Mrd. €. Dabei nahmen die Auslandserlöse um 8,5 % zu, die Umsätze im Inland um 6,5 %. Die Unternehmen konnten die Preise im Vergleich zum ersten Halbjahr 2004 im Schnitt um vier Prozent anheben.

Im ersten Halbjahr habe die Chemie mit rund 17 Mrd. € einen „gewichtigen Teil“ zum Außenhandelsüberschuss Deutschlands beigetragen, sagte Hambrecht. Auch im weiteren Jahresverlauf dürfte das Auslandsgeschäft nach Einschätzung des VCI eine Stütze für die Unternehmen sein. Die Nachfrage aus dem Ausland werde mit einem Wachstum von voraussichtlich sechs Prozent den größten Anteil am erwarteten Umsatzwachstum haben, prognostizierte Hambrecht. „Der Inlandsumsatz wird wohl nur um drei Prozent wachsen“, ergänzte er.

Bei den Rohstoffen rechnet die Branche weiter mit hohen Preisen. Viele Unternehmen der Branche seien bisher nicht in der Lage gewesen, die höheren Rohstoffpreise an die Kunden weiter zu geben, sagte Hambrecht. Im ersten Halbjahr sei das nur in den Sparten Petrochemie und Polymere gelungen. Der wichtigste Rohstoff für die Chemie ist das aus Erdöl gewonnene Nafta oder Rohbenzin. Hambrecht sagte, er rechne mit sinkenden Ölpreisen. „Wir sollten nicht davon ausgehen, dass der Ölpreis da bleibt, wo er ist. Er wird sicherlich nach unten gehen“, sagte er.

Der Verband legt seinen Prognosen für dieses Jahr einen durchschnittlichen Ölpreis von 50 Dollar je Barrel zu Grunde. Den Euro/Dollar-Wechselkurs sieht sie bei im Schnitt 1,25 Dollar. Die Chemiebranche - Deutschlands viertgrößter Industriezweig - hatte im ersten Halbjahr durchschnittlich 439 330 Beschäftigte, 1,5 % weniger als im Vorjahr.

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