2009 wird schwierig
Stahlindustrie droht Absatzrückgang

Mit dem Abflauen der Weltkonjunktur müssen sich Deutschlands Stahlkocher auf schwierige Zeiten einstellen. Nachdem die Branche ihre Ziele schon für das laufende Jahr zurückgeschraubt hat, zeichnet sich auch für 2009 keine Entspannung ab – Experten sehen deshalb in der Branche weiteren Einsparbedarf.

„Den alten Wachstumspfad werden wir so schnell nicht wiedersehen“, sagte Analyst Hermann Reith von der BHF-Bank. Er rechnet für das kommende Jahr mit einem Absatzrückgang von fünf bis sechs Prozent. Die Unternehmen müssen nun beweisen, dass sie den Boom der vergangenen Jahre genutzt haben, um sich für Krisenzeiten zu rüsten. Die Branche eilte in den vergangenen zehn Jahren von einem Absatzrekord zum nächsten, wobei die Nachfrage von Schwellenländern wie China angetrieben wurde. Das asiatische Land wird aber jetzt mit der globalen Wirtschaftskrise von einer Absatzflaute gebeutelt. Die Weltstahlproduktion werde im Schlussquartal erstmals seit 1998 zurückgehen, sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff.

Der Verband senkte am Freitag seine Prognose für die deutsche Stahlproduktion im laufenden Jahr: Statt einer stabilen Entwicklung rechnet Kerkhoff nun mit einem Rückgang um zwei Prozent. Die Finanzkrise habe nun die Stahlindustrie erreicht, sagte er. „Nach der Sommerpause hat sich die Nachfrage weltweit abgekühlt.“ Analysten zufolge ist der Auftragseingang um rund 30 Prozent abgesackt. Kerkhoff übte sich dennoch in Zuversicht. Er halte eine Erholung im Verlauf des kommenden Jahres für möglich.

Sollte diese nicht kommen, dann müssen die Konzerne wohl die Kosten deutlich senken. Nach Ansicht der Unternehmensberatung Accenture fallen Salzgitter und Thyssen-Krupp bei der Effektivität hinter Wettbewerbern zurück. „Während einige internationale Spieler ihre Prozesse vereinfacht und die Wertschöpfungskette verbessert haben, hinken die deutschen Unternehmen hinterher“, sagte Stahl-Experte Peter Berggren. Vor allem im Vertrieb und in der Verwaltung könnten diese noch Synergien heben. „Möglicherweise hilft die Krise, unliebsame Überlegungen durchzusetzen.“

In den vergangenen Quartalen konnten Thyssen-Krupp und Salzgitter mit kräftigen Gewinnzuwächsen aufwarten; und auch für das abgelaufene Quartal rechnen Experten mit ordentlichen Erlösen. Dazu beigetragen haben auch die fortlaufenden Effizienzprogramm – allerdings leisten sie sich nach Meinung von Accenture in vielen Bereichen Doppelfunktionen.

Auf die derzeitige Absatzflaute haben die Konzerne schon mit Produktionskürzungen reagiert. Betroffen ist die Weiterverarbeitung von Stahl, die um bis zu 30 Prozent gesenkt wird. Analyst Reith sieht die deutschen Schwergewichte dennoch in einer komfortablen Lage, da sie bislang Stahl bei der Konkurrenz zukaufen mussten. Sowohl Thyssen wie auch Konkurrent Salzgitter haben dies nun gestoppt. Innerhalb der Belegschaft von Thyssen-Krupp geht nun die Sorge um, dass sich die Krise im Verlauf des kommenden Jahres verschärfen könnte. Dann könnte wohl nicht mehr ausgeschlossen werden, dass auch die eigene Produktion gesenkt werden müsste, heißt es im Konzern. Der Ruhrkonzern hängt im hohen Maße von der Autoindustrie ab, die mit enormen Absatzproblemen ringt.

Den Weg für weitere Einsparungen hat Arcelor-Mittal bereits vorgezeichnet. Vorstandschef Lakshmi Mittal erhöhte das im September verordnete Sparprogramm um ein Viertel auf fünf Mrd. Dollar und gab das Ziel aus, die Verschuldung bis Ende kommenden Jahres um zehn Mrd. Dollar zu senken. Mit seinen Einsparungen steht der Branchenprimus nicht allein. Dem Beispiel folgte der zur Tata-Gruppe gehörende Stahlproduzent Corus, der rund 400 Arbeitsplätze im Vertrieb streicht.

Mit seiner weltweiten Aufstellung kommt Arcelor-Mittal eine Schlüsselrolle in der Industrie zu. Die von Arcelor-Mittal angekündigte Produktionskürzung um ein Drittel wirkt nach Ansicht von Accenture-Experte Berggren. Andere Unternehmen wie Corus folgten bereits, sagte er. Der Weltmarktführer, aus dessen Hochöfen jede zehnte weltweit geschmolzene Tonne Stahl stammt, will mit der Drosselung die Preise stabilisieren. Die weltweiten Stahlpreise waren in der ersten Jahreshälfte um 50 Prozent angezogen, brachen dann aber ein.

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