2009 wird schwieriges Jahr
Osteuropageschäft macht Baubranche wenig Freude

Die Bauwirtschaft stellt sich auf ein hartes Jahr ein. Sowohl Baustoffhersteller als auch Bauunternehmen rechnen 2009 mit deutlichen Umsatzeinbrüchen. Unternehmen wie der österreichische Ziegelhersteller Wienerberger und der deutsch-österreichische Baukonzern Strabag erwarten Rückschläge vor allem aus dem Geschäft mit Osteuropa. Dort sind beide Firmen stark engagiert.

WIEN. Wienerberger-Konzernchef Wolfgang Reithofer kündigte am Donnerstag in Wien an, dass der Konzernumsatz in diesem Jahr voraussichtlich zehn Prozent schrumpfen werde. Europas größter Ziegelproduzent hat im vergangenen Jahr bereits Abstriche hinnehmen müssen. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, ist der Umsatz 2008 um zwei Prozent auf 2,4 Mrd. Euro gefallen. Das operative Ergebnis (Ebit) sank um 32 Prozent auf knapp 240 Mio. Euro. Konzernchef Reithofer will dennoch wieder eine Dividende ausschütten, „allerdings deutlich unter dem Vorjahreswert“ von 1,45 Euro je Aktie. Wienerberger ist auch stark in Deutschland vertreten, in mehreren Werken arbeiten etwa 2 000 Beschäftigte. Das Unternehmen hat insgesamt etwa 14 000 Mitarbeiter.

Reithofer bezeichnete 2009 als schwieriges Jahr. Wienerberger habe deshalb sein Geschäftsmodell geändert. Zusätzliches Wachstum stehe nicht mehr im Vordergrund, „sondern die Verbesserung der Liquidität“. Die Finanzierung von Wienerberger während der kommenden zwei Jahre sei gesichert, durch den eigenen Cash-Flow und mit Kreditlinien. Der Konzernchef kündigte zudem an, dass das Unternehmen sein strenges Kostenmanagement in diesem Jahr fortsetzen werde. Bei Bedarf müssten weitere Werke geschlossen werden. 2008 hatte das Unternehmen bereits 27 meist kleinere Werke mit wenigen Mitarbeitern aufgegeben.

Wienerberger erwartet in diesem Jahr keine wesentlichen Impulse im Baugeschäft. In Osteuropa werde die Finanzkrise erst in diesem Jahr richtig zu spüren sein. „In Tschechien oder Polen wird es nicht so dramatisch, aber in Bulgarien und Rumänien trauen wir uns keine Einschätzung der tatsächlichen Situation zu“, sagte Reithofer. Die Lage in Ungarn bezeichnete er als „ganz schlecht“.

An der Wiener Börse wurde der Wienerberger-Titel am Donnerstag regelrecht abgestraft. Die Aktie verlor mehr als sieben Prozent und wurde erstmals für weniger als zehn Euro gehandelt. Christine Reitsamer, Branchenanalystin beim Bankhaus Sal. Oppenheim, rät weiterhin vom Kauf der Aktie ab. „Die Ungewissheiten bei der Geschäftsentwicklung vor allem in Ost- und Mitteleuropa bleiben groß“, kommentierte sie das Ergebnis von Wienerberger.

Ebenso schlecht erging es dem Baukonzern Strabag. Das Papier rutschte um rund sechs Prozent ab und notierte zum Handelsschluss bei 12,19 Euro. Anleger sahen eine starke Parallele zum Ostgeschäft bei Wienerberger. Strabag hatte bereits zu Wochenbeginn angekündigt, dass die Bauleistung in diesem Jahr deutlich zurückgehen wird, vor allem durch Einbußen in Osteuropa.

Strabag wird ihre Bauleistung in diesem Jahr nicht mehr wie angekündigt um mehr als 20 Prozent steigern können. Stattdessen soll die Wachstumsrate weniger als zehn Prozent betragen. Der Strabag-Konzern ist besonders stark in Russland exponiert. Dort müssen immer häufiger Bauprojekte storniert werden, weil die Finanzierung nicht mehr gesichert werden kann. So verliert die Strabag den Milliardenauftrag für eine neue Autobahn bei St. Petersburg. Der Baukonzern aus Wien hofft, diese Lücke mit zusätzlichen Aufträgen aus Polen zumindest zum Teil schließen zu können.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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