25 Jahre Treuhand
Die Fehler der Superbehörde

Die Treuhandanstalt hat von 1990 an die Privatisierung der DDR-Wirtschaft abgewickelt – und zahlreiche Unternehmen gleich mit. Heute ist klar, es wurden Fehler begangen. Aber auch Erfolgsgeschichte geschrieben.
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BerlinFabrikhallen stehen leer, Fenster sind eingeschlagen, auf den Wegen wuchert Unkraut. Einst stand hier, in Magdeburg-Buckau, ein riesiges Industriekombinat: das VEB Schwermaschinenbau-Kombinat „Ernst Thälmann“ (Sket) mit 30 000 Beschäftigten. Heute sind es in mehreren Nachfolgegesellschaften mehrere Hundert. Teile des großen Geländes wurden zu einem Industriepark umgebaut. Es ist auch das Erbe einer „Jahrhundertaufgabe“: der Umwandlung der DDR-Planwirtschaft in eine Marktwirtschaft. Den Übergang organisierte eine Superbehörde: die Treuhand.

Die Idee der Treuhandanstalt, deren Gründung am 1. März 1990 von der letzten SED/PDS-Regierung unter Hans Modrow beschlossen wurde, war zunächst: Das Volksvermögen sollte zusammengehalten und später die Bürger daran beteiligt werden. Doch der Charakter änderte sich, als drei Monate später die Volkskammer einem Treuhand-Gesetz zustimmte: Nun ging es um die Privatisierung des volkseigenen Vermögens.

Bis heute ist die Treuhand höchst umstritten. Iris Gleicke (SPD), die Ost-Beauftragte der Bundesregierung kritisiert gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, die Treuhand habe vielen, wenn nicht den meisten Ostdeutschen traumatische Erlebnisse beschert. „Sie gilt im Osten definitiv nicht als Symbol einer funktionierenden sozialen Marktwirtschaft, sondern als das Symbol eines brutalen, ungezügelten Kapitalismus, verbunden mit Deindustrialisierung und Massenarbeitslosigkeit“. Das alles habe das Vertrauen in den neuen Staat schwer erschüttert. Manch einer sei nach 25 Jahren offenbar in purer Feierlaune und wolle den Aufbau Ost als reine Erfolgsgeschichte verkaufen, sagte Gleicke: „Das ist für mich Geschichtsklitterung, und das mache ich nicht mit.“

Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse sagt, es habe zur Umwandlung einer Planwirtschaft in eine Marktwirtschaft keine Beispiele und kein Lehrbuch gegeben. „Es war klar, diese Aufgabe zu erfüllen wird nicht ohne Schmerz und Opfer gehen. Aber die Treuhand hat in vielen Fällen den Schmerz und die Opfer größer gemacht.“

Die Haltung, so schnell wie möglich um fast jeden Preis zu privatisieren, auch um den Preis der Verschleuderung, habe zu Fehlern geführt. „Deswegen ist die Treuhandanstalt bei vielen Ostdeutschen ein negatives Symbol geworden.“ Die Treuhand habe viel zu wenig den ernsthaften Versuch unternommen, volkseigene Betriebe zu sanieren, wettbewerbsfähig zu machen und dann erst zu privatisieren.

Kommentare zu " 25 Jahre Treuhand: Die Fehler der Superbehörde"

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  • Die Erfolgsgeschichte existiert nur in den Köpfen vieler Politiker und Beamten.
    Der Rest ist schweigen.
    Nur die Beharrlichkeit, die Sturheit und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft sehr vieler Bürger in Ost und West haben dazu beigetragen daß es nicht noch schlimmer gekommen ist.
    Und wer feiert heute wieder: natürlich die Politiker und deren Beamte.
    Na dann Prosit!!!

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