25 Milliarden Dollar geboten
Bieterschlacht um Guidant entbrannt

Der amerikanische Medizintechnik-Konzern Boston Scientific Corporation will die US-Gesellschaft Guidant Corporation für rund 25 Milliarden Dollar in bar übernehmen. Damit wurde der ebenfalls interessierte Pharmakonzern Johnson & Johnson um mehr als drei Milliarden Dollar überboten.

HB CHICAGO. Wie Boston Scientific am Montag mitteilte, bietet das Unternehmen 72 Dollar je Guidant-Aktie. J&J hatte erst kürzlich sein Angebot auf 21,5 Mrd. Dollar oder 63,43 Dollar je Aktie reduziert. Die Boston-Offerte liegt damit um 14 Prozent höher. „Die Kombination von Guidant und Boston Scientific wird das weltweit führende Unternehmen für Geräte zur Behandlung von Erkrankungen der Herzgefäße werden“, sagte Pete Nicholas, Chairman von Boston Scientific. Guidant teilte mit, das Unternehmen wolle das Konkurrenzangebot überdenken. Eine weitergehende Bewertung wollte es jedoch zunächst abgeben. J&J war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die Guidant-Aktie verzeichnete an der Wall Street einen Kurssprung von zeitweilig mehr als zehn Prozent auf 68,15 Dollar. Boston-Scientific-Papiere zogen 0,62 Prozent auf 27,50 Dollar an und J&J-Aktien gewannen 0,54 Prozent auf 61,54 Dollar.

Boston Scientific stellt sich mit seinem überraschenden Angebot gegen den größeren Konkurrenten Johnson & Johnson im Milliardenmarkt für medizinische Instrumente zur Öffnung verstopfter Herzarterien. Außerdem könnte Boston Scientific damit in den Markt für implantierbare Herzdefibrillatoren einsteigen. „Insgesamt ist unser Vorschlag besser für Guidant, seine Aktionäre und seine Beschäftigten als das veränderte Angebot von Johnson & Johnson“, sagte Jim Tobin, Präsident und Konzernchef von Boston Scientific. Auch könne das Vorhaben schneller über die Bühne gehen. Boston Scientific erwartet, dass die Übernahme im ersten Quartal 2006 abgeschlossen werden könnte, wenn eine Vereinbarung bis Ende dieses Jahres erreicht werde.

Manche Analysten sprachen von einem klugen Vorgehen. Der Schritt sei „sehr clever“, sagte Thomas Gunderson von Piper Jaffray. „Ein Gebot von 72 Dollar kann man kaum ignorieren“, fügte er hinzu. Andere Experten äußerten sich eher vorsichtig. Nach Einschätzung von Les Funtleyder von Miller Tabak passen 0Guidant und Boston Scientific zwar strategisch gut zusammen. Bei einem Zusammenschluss könne die Integration jedoch lange dauern. „Wir glauben weiterhin, dass J&J das bessere Zuhause für Guidant als Boston Scientific ist“, schrieb er in einem Kurzkommentar. Zudem sei das Unterehmen St. Jude Medical immer noch verfügbar. J&J könnte daher zu der Schlussfolgerung kommen, dass Guidant die ganze Mühe nicht wert sei.

Das Angebot von Boston Scientific liegt deutlich über Analysten-Bewertungen von Guidant. Funtleyder hatte Mitte November zu dem 21,4-Milliarden-Dollar-Angebot von Johnson & Johnson gesagt, es entspreche eher dem Wert von Guidant als ein früheres Angebot über 25,4 Mrd. Dollar. Guidant sowie Johnson & Johnson hatten am 15. November mitgeteilt, J&J werde Guidant für 21,5 Mrd. Dollar übernehmen.

Zu Spannungen zwischen J&J und Guidant war es nach dem Rückruf einer Reihe von Guidant-Produkten gekommen. J&J hatte argumentiert, dies habe den Wert von Guidant deutlich gemindert. Guidant hatte Probleme mit verschiedenen seiner implantierbaren Defibrillatoren und Herzschrittmacher eingeräumt. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hatte Ärzte wegen Fehlfunktionen der Geräte gewarnt. Ende Oktober hatte Guidant zudem mitgeteilt, das Unternehmen habe im Zusammenhang mit dem Rückruf einiger dieser Geräte eine Vorladung vom US-Justizministerium erhalten.

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