28-Stunden-Woche geplant
Opel greift in Volkswagens Trickkiste

Opel scheint von den Arbeitern in seinem Rüsselsheimer Stammwerk eine 28-Stunden-Woche bei um ein Fünftel reduzierter Bezahlung zu fordern. Der Betriebsrat ist dagegen, vor fast 20 Jahren sah das bei VW anders aus.
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FrankfurtDie Opelaner sollen zur Rettung des angeschlagenen Autobauers einem Zeitungsbericht zufolge in Rüsselsheim offenbar bis zu ein Fünftel weniger arbeiten und entsprechend weniger Lohn erhalten. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Samstagsausgabe) zitiert aus einem Flugblatt des Betriebsrats, in dem sich die Arbeitnehmer gegen eine Arbeitszeitverkürzung ohne vollen Lohnausgleich wenden. „Eine 28-Stunden-Woche bei einer Kürzung des Entgelts um 20 Prozent wird es mit uns nicht geben“, heißt es der Zeitung zufolge in dem Informationsblatt, das am Freitag an die Belegschaft verteilt wurde.

Weder Betriebsrat noch IG Metall waren am Freitagnachmittag für eine Stellungnahme zu erreichen. Opel bestätigte den Inhalt des Flugblatts, wollte sich zum Stand der Verhandlungen mit den Arbeitnehmern aber nicht äußern.

Die GM-Tochter hatte am Donnerstag Verhandlungen mit den Arbeitnehmern über Kurzarbeit und Arbeitszeitverkürzungen bestätigt. Damit könnte der Tarifvertrag „Zukunft in Arbeit“ (ZiA) bei Opel angewendet werden, der vor zwei Jahren in Nordrhein-Westfalen von Arbeitgebern und Gewerkschaft vereinbart und anschließend von den anderen Tarifbezirken übernommen wurde. Dieser ermöglicht auf Betriebsebene die Vereinbarung von Arbeitszeitverkürzungen im Paket mit Kurzarbeit. Die Wochenarbeitszeit kann nach Gewerkschaftsangaben dabei auf bis zu 28 Wochenstunden gesenkt werden.

Volkswagen hatte im Jahr 1993 die 28,8-Stunden-Woche erdacht, um eine Schwächephase in der Unternehmensgeschichte zu überbrücken. Nach zweiwöchigen Verhandlungen verständigten sich damals VW und IG Metall auf eine entsprechende Arbeitszeit- und Lohnkürzung. Die Monatslöhne wurde durch das Vorziehen von geplanten Tariferhöhungen und eine Umschichtung des Weihnachtsgeld gleich, dem Konzern bedeutete der Schritt jedoch eine deutliche Kostenersparnis. Außerdem sicherte VW zu, zwei Jahre keine betriebsbedingten Kündigungen vorzunehmen.

Der Betriebsrat dringt der Zeitung zufolge darauf, die Einkommensverluste für die Beschäftigten möglichst gering zu halten. Dies solle durch eine Aufstockung des Kurzarbeitergelds geschehen. Als Bedingung für die Zustimmung zu Kurzarbeit sollten auch die Führungskräfte an den Einsparungen beteiligt werden.

Im Opel-Stammwerk Rüsselsheim arbeiten insgesamt 13.800 Menschen, davon 3500 in der Produktion. Der Rest ist in Bereichen wie Verwaltung, Entwicklung oder Design tätig. In der Fertigung in Kaiserslautern arbeiten 2700 Menschen.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Die Opelqualität ist es jedenfalls nicht- die Autos sind Top. Einfach mal in Auto-Foren nachlesen. Andere Großserienhersteller aus Deutschland schneiden wesentlich schlechter ab. Komplexe Technik, niedriger Verbrauch, aber eben auch entsprechende Ausfälle...

  • Als bekennender Opel Fan und Automobilsektor Beobachter und Golf 4 Fahrer ( mit enttäuschender Qualität) kann ich ein Lied vom deutschen Automarkt singen.
    Die Wahrheit liegt ganz wo anders, wie in den USA die ausländischen Fabrikate runter geschrieben werden so ist es auch hier. Das geht schon seit Jahrzehnten so, hauptberufliche VW- Mitarbeiter sind Tester bei Auto Motor und Sport – noch Fragen?
    Manch ein Premium Hersteller aus Deutschland wäre froh heute die Qualität von Opel zu bauen. Es ist die Berichterstattung und der Umgang mit den Medien die immer noch zu wünschen übrig lassen und der fehlende Mut von GM/ Opel Entwicklungen auch tatsächlich auf den Markt zu bringen, so ist man immer einen Schritt hinter der Konkurrenz auch wenn man serienreife Produkte vorher entwickelt hatte.
    So ist das Opel Problem eine Mischung aus Öffentlichkeitsarbeit und fehlendem Mut.

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