2 000 Stellen fallen weg
Bei Ford geht's den Bankern an den Kragen

In den nordamerikanischen Werken von Ford müssen tausende Mitarbeiter gehen, weil sich die Wagen nur noch schleppend verkaufen und das Autogeschäft deshalb hohe Verluste einfährt. Nun sollen aber auch in der profitablen Finanzsparte etliche Beschäftigte gehen. Deutschland hingegen kommt glimpflich davon.

HB DETROIT. Die Finanzsparte vonFord hat den Abbau von 2000 Arbeitsplätzen in Nordamerika angekündigt. Dies entspreche knapp einem Viertel der Belegschaft in den USA und Kanada, teilte Ford Motor Credit am Donnerstag nach US-Börsenschluss mit. Die Stellenstreichungen sollten erreicht werden, indem Mitarbeiter früher in den Ruhestand gingen und freiwerdende Stellen nicht wieder besetzt würden. Wenn nötig, müssten aber auch Mitarbeiter entlassen werden, teilte das Unternehmen mit. Um Kosten zu sparen, sollten auch Filialen geschlossen werden.

Ford Motor Credit bietet Autofinanzierungen an. Die Sparte hatte in der Vergangenheit den Konzern mehrfach vor einem Verlust bewahrt, indem Sie das Minus des eigentlichen Autogeschäfts mit ihren hohen Gewinnen ausglich. Zuletzt rettete aber auch dieser Geldsegen Ford nicht mehr, weil speziell das Geschäft mit den gewinnträchtigen Geländewagen und Pickups in den USA eingebrochen ist. Grund sind die gestiegenen Spritpreise; deshalb entscheiden sich viele Kunden für spritsparende Autos. Zudem sprudelten auch bei der Finanztochter die Gewinne nicht mehr so wie früher.

Der Konzern-Sanierungsplan – der vorwiegend die Produktion betrifft – sieht den Abbau von 45 000 Stellen und die Schließung von 14 Werken bis 2012 vor. Ford überlegt sogar, seine europäischen Luxusmarken Jaguar und Aston Martin zu verkaufen.

Der verschärfte Stellenabbau im verlustreichen Heimatmarkt USA wird die deutschen Werke nicht betreffen. „Das Programm hat keine Auswirkungen auf Europa“, sagte der Chef der deutschen Ford-Werke Köln, Bernhard Mattes, am Donnerstagabend auf dem Autosalon in Paris. „Wir in Europa sind auf einem guten Weg und schreiben schon seit 2004 Gewinne.“ Seit Jahren habe Ford Europa seine Effizienz verbessert und Kosten gesenkt und sei dadurch immer profitabler geworden. Dieser Plan werde fortgesetzt. Die Ford Werke GmbH in Köln sei aber hohem Druck ausgesetzt und müsse ihre Produktivität kontinuierlich verbessern.

Kurzarbeit im Motorenwerk

Das Kölner Motorenwerk müsse wegen der Krise der Konzern-Mutter auf dem nordamerikanischen Markt im Dezember aber auf Kurzarbeit umstellen. „Grund dafür ist die geringere Nachfrage in den USA nach großen Motoren“, sagte Mattes, der zugleich Vizepräsident von Ford Europa ist. In Köln werden die Motoren für die Modelle Ranger, Explorer und Mustang produziert. Das tägliche Bauprogramm werde von 1 300 auf 1 100 Motoren gesenkt. „Die betroffenen Mitarbeiter werden in anderen Werksbereiche eingesetzt.“ Nach Unternehmensangaben arbeiten 1 058 Mitarbeiter im Motorenwerk.

Einen Image-Schaden wegen der Dauerkrise des zweitgrößten US-Autoherstellers in den USA sieht Mattes nicht. „Wir haben gute Produkte, mit denen wir neue Kunden gewinnen können.“ In Paris zeigt Ford den neuen Mittelklassewagen Mondeo, mit dem das Unternehmen in dem hart umkämpften Segment punkten will. Ein Absatzziel für die Limousine, die im Frühjahr 2007 auf den Markt kommt, nannte Mattes nicht.

Der Ford-Konzern hatte im ersten Halbjahr 1,4 Mrd. Dollar Verlust erlitten. Ford Europa war nach Unternehmensangaben dagegen mit einem Gewinn von 196 Mill. Dollar profitabel.

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