30-Stunden-Woche soll den Autobauer durch die Krise bringen
Opel verschärft Sparprogramm

Der Automobilhersteller Opel zieht angesichts einer schleppenden Nachfrage die Notbremse und kappt erneut die Personalkosten. Betriebsrat und Vorstand des defizitären Unternehmens einigten sich für das Stammwerk in Rüsselsheim auf eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 30 Stunden bis Ende 2004 bei nur teilweisem Lohnausgleich für die rund 5 500 Beschäftigten in der Produktion.

hz RÜSSELSHEIM. Zudem leisten die übrigen der insgesamt 21 000 Mitarbeiter drei Stunden unbezahlte Mehrarbeit pro Monat. Experten schätzen, dass das Tochterunternehmen von General Motors (GM) so die Kosten im kommenden Jahr um etwa 20 Mill. bis 30 Mill. Euro drücken kann.

Opel-Chef Carl-Peter Forster zieht damit die Konsequenzen aus dem schwachen zweiten Halbjahr des Autobauers. Nach Angaben aus Branchenkreisen werden die Rüsselsheimer ungeachtet eines Gewinns im ersten Halbjahr im Gesamtjahr voraussichtlich mit einem Verlust von etwa 180 Mill. Euro abschließen. Im dritten Quartal musste Opel demnach bereits ein Minus von 90 Mill. Euro verkraften, und auch das vierte Quartal wird wohl nicht besser verlaufen. Gemessen am Vorjahresverlust von 227 Mill. Euro wäre das zwar schon ein Fortschritt, aber immer noch weit entfernt von Forsters Ziel, 2004 wieder zurück in die Gewinnzone zu fahren.

Vor diesem Hintergrund sah die Opel-Führung nur die Möglichkeit drastischer Einschnitte bei den Personalkosten, um die GM-Tochter auf Kurs zu halten. Die anhaltend schwache Autokonjunktur in Westeuropa beeinträchtigt die Sanierungspläne von Forster, obwohl Opel bei den Marktanteilen zuletzt zulegen konnte. Doch vor allem die Absatzflaute im Mittelklasse-Segment macht den Rüsselsheimern zu schaffen. So ist das Stammwerk auf eine Jahresproduktion von 270 000 Vectra ausgelegt. Doch Opel rechnet jetzt mit einem deutlich geringeren Absatzvolumen: Entsprechend weniger Mitarbeiter werden damit aber in der Produktion gebraucht. Die Vereinbarung sichere nun rund 1 200 Stellen, hieß es in der Zentrale.

Konkurrent Volkswagen hatte bereits vor zehn Jahren zur Beschäftigungssicherung die Vier-Tage-Woche mit 28,8 Regelstunden eingeführt. Wettbewerber Ford setzt dagegen auf Entlassungen und kündigte unlängst den Abbau von knapp 5 000 Jobs in Europa an. Mitte 2001 hatte Opel bereits das Sanierungsprogramm „Olympia“ aufgelegt. Darin wurden die Kürzung von 2 500 Stellen sowie die Verschiebung von Teilen des Weihnachtsgeldes in die nächsten Jahre vereinbart.

Die Hoffnungen in Rüsselsheim ruhen nun vor allem auf der Markteinführung des neuen Astra-Modells im Frühjahr nächsten Jahres. Der Kompaktwagen soll 2004 eine deutliche Ergebnisverbesserung anschieben. Doch bis dahin müssen sich die Rüsselsheimer noch auf eine Rüttelstrecke gefasst machen: „Die nächsten Monate wird es Opel noch schwer haben“, sagte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%